Karte: Gazastreifen, dunkle Flächen: besiedelte Gebiete
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Nahost ++ Mehrere Deutsche aus Gazastreifen ausgeflogen ++

Stand: 02.04.2025 21:53 Uhr

19 deutsche Staatsbürger und 14 enge Familienangehörige sind aus dem Gazastreifen nach Leipzig ausgeflogen worden. Bei einem israelischen Luftangriff auf eine UN-Klinik im Gazastreifen gab es nach palästinensischen Angaben mehrere Todesopfer.

Die wichtigsten Entwicklungen:

02.04.2025 • 21:53 Uhr

Ende des Liveblogs

Damit beenden wir den Liveblog für heute. Vielen Dank für das Interesse.

02.04.2025 • 21:53 Uhr

Israel umstellt Teile von Rafah

Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge ein Viertel in der Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens umstellt. Israelische Bodentruppen sind in dem Stadtteil Tal al-Sultan bereits seit rund zwei Wochen im Einsatz, um nach Darstellung des Militärs gegen die Hamas vorzugehen.  Seitdem hätten Soldaten dort "Dutzende Terroristen eliminiert" sowie Dutzende Waffen und weitere Infrastruktur von Terrororganisationen zerstört. Sie fanden eigenen Angaben nach auch zwei Raketen in einem Gebäude. Die Armee habe zudem Verdächtige zu Verhören festgenommen, hieß es in einer Erklärung weiter. 

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Schaffung eines neuen Sicherheitskorridors im Gazastreifen angekündigt. In einer Mitteilung sprach er vom "Morag"-Korridor und legte damit nahe, dass er zwischen Rafah und Chan Junis verlaufen würde, wo es früher eine gleichnamige israelische Siedlung gab.

Das bei einem israelischen Luftangriff im Norden des Gazastreifens getroffene Gebäude ist nach Angaben des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA eine Unterkunft für Vertriebene gewesen. UNRWA-Sprecherin Juliette Touma sagte, das Gebäude sei nicht mehr als Klinik genutzt worden. 735 Menschen aus 160 Familien seien dort untergebracht gewesen.

Trotz Warnungen der UNRWA-Mitarbeiter hätten viele davon auch nach dem Angriff das Gebäude nicht verlassen, "einfach, weil sie keinen anderen Ort haben, wo sie hingegen können", sagte Touma. Vertreter des indonesischen Krankenhauses teilten mit, dass bei dem Angriff auf das Gebäude in Dschabalija 15 Menschen getötet worden seien, darunter neun Kinder und zwei Frauen.

Das israelische Militär erklärte, es habe in dem Gebiet Mitglieder der militant-islamistischen Hamas getroffen. Diese hätten sich in einem Kommando- und Kontrollzentrum versteckt. Israel hat im Gaza-Krieg immer wieder Krankenhäuser angegriffen oder durchsucht und der Hamas vorgeworfen, Spitäler für militärische Zwecke zu nutzen.

Im Süden des Gazastreifens versuchen die Menschen, den Kämpfen zu entkommen - und fliehen mit allem, was sie transportieren können. Die israelische Armee hat zudem angekündigt, ihren Einsatz gegen die Terror-Organisation Hamas auszuweiten.

Menschen im Süden Gaza erneut gezwungen zu fliehen nach Anordnung des israelischen Militärs

Sophie von der Tann, ARD Tel Aviv, tagesschau, 02.04.2025 17:00 Uhr

Die Bundesregierung hat für 19 deutsche Staatsbürger mitsamt engen Familienangehörigen die Ausreise aus dem umkämpften Gazastreifen vermittelt. Die insgesamt 33 Menschen seien auf dem Flughafen Leipzig gelandet, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts.

Die Ausreise sei in Abstimmung mit den israelischen Behörden erfolgt. Die Verhandlungen darüber hätten "geraume Zeit" gedauert und "viel diplomatische Verhandlungsgeschick" erfordert. Das Amt arbeite weiter daran, letztlich allen deutschen Staatsbürgern aus dem Gazastreifen die Ausreise zu ermöglichen.

Die Sprecherin betonte, dass die Ausreise nicht im Zusammenhang stehe mit den Plänen der israelischen Regierung, Bewohner des Gazastreifens zur freiwilligen Ausreise zu bewegen. Das Auswärtige Amt sei mit seinem Einsatz lediglich der Fürsorgepflicht gegenüber deutschen Staatsbürgern und deren Angehörigen nachgekommen.

Mosche Gafni, Abgeordneter der der strengreligiös-jüdischen Koalitionspartei "Vereintes Torah-Judentum" hat den Besuch des israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir auf dem Jerusalemer Tempelberg als "eine Entweihung der Heiligkeit" bezeichnet. Der Gang zum Tempelberg sei "kein Zeichen von Souveränität", sondern schüre unnötig die Stimmung in der muslimischen Welt", sagte er laut israelischen Medien. Die Besteigung sei ein "Angriff auf den heiligsten Ort der jüdischen Nation", gegen den sich alle großen Rabbiner ausgesprochen hätten, argumentierte Gafni.

Die meisten Rabbiner, darunter das Oberrabbinat des Landes, verbieten das Betreten der Stätte. Begründet wird dies mit der Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten, dem wichtigsten Bereich des früheren Tempels, der nur vom Hohepriester betreten werden durfte. Da niemand dessen genauen Ort kenne, könne aus Versehen im Zustand der rituellen Unreinheit heiliger Boden betreten werden.

Die Hamas verurteilte den Besuch vom israelischen Sicherheitsminister Ben Gvir auf dem Tempelberg als "provokative und gefährliche Eskalation" und rief Jugendliche im Westjordanland dazu auf, "die Konfrontation zu verschärfen" und "unser Land und unsere Heiligtümer zu verteidigen" - insbesondere die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg. 

Das jordanische Außenministerium bezeichnete den Tempelberg-Besuch des Ministers als "Erstürmung" und "inakzeptable Provokation".

In den vergangenen Tagen hatte die israelische Armee die Bewohner der südlichen Stadt Rafah und benachbarter Orte aufgefordert, von dort zu fliehen. Nach vielen Monaten des Krieges war am 19. Januar im Gazastreifen eine Waffenruhe in Kraft getreten. Viele Vertriebene innerhalb des Gebiets kehrten daraufhin in ihre Heimatorte zurück.

Mitte März nahm Israel die massiven Angriffe wieder auf, nachdem keine Einigung mit der islamistischen Hamas auf die Konditionen für eine Verlängerung der Feuerpause erzielt worden war. Seitdem führt Israels Armee auch Bodeneinsätze gegen die Hamas in Rafah durch, am Samstag weitete sie die Offensive nach eigenen Angaben auf ein zweites Viertel der Stadt aus. Ziel der neuen Bodenoffensive im Gazastreifen ist laut Armee auch die Errichtung einer Pufferzone entlang der Grenzen des Küstengebiets.

Karte Israel, Gazastreifen, Rafah, Philadelphi-Korridor und Netzarim-Korridor

Der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir hat erneut den Tempelberg in Ost-Jerusalem besucht. Ben Gvir begab sich am Mittwochmorgen nach Angaben seines Sprechers zu der in Jerusalems Altstadt gelegenen Anlage, die Juden wie Muslimen heilig ist. Es war Ben Gvirs erster Besuch des Tempelbergs seit seiner Rückkehr in die Regierung Mitte März.

Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist ein zentraler Streitpunkt des israelisch-palästinensischen Konflikts. Jordanien verwaltet diese islamischen Heiligtümer, Israel regelt jedoch den Zugang zum Tempelberg. Juden verehren den Tempelberg als Ort des früheren Zweiten Tempels als ihren heiligsten Ort. Ben Gvir hat in der Vergangenheit wiederholt den Tempelberg besucht und sich über das von der israelischen Regierung verhängte dortige Gebetsverbot hinweggesetzt. Er zog mit den Besuchen internationale Kritik und Verurteilungen der palästinensischen Autonomiebehörde auf sich.

Bei israelischen Luftangriffen auf die Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens sind nach Angaben von Krankenhausangestellten 17 Menschen getötet worden. Zwölf Leichen seien in das Nasser-Krankenhaus gebracht worden, teilten Krankenhausvertreter mit. Die anderen fünf Toten wurden in das Europäische Krankenhaus in Gaza gebracht. Sie wurden bei zwei verschiedenen Luftangriffen getötet. Unter den Toten seien fünf Frauen und zwei Kinder, hieß es. Außerdem seien drei Männer sowie der Besitzer eines bombardierten Hauses getötet worden.

Ein zerstörtes Gebäude in Chan Junis.

Chan Junis wurde von einem israelischen Luftangriff getroffen.

Das Auswärtige Amt hat Israel wegen seiner Einsätze im Gazastreifen kritisiert. Bei der israelischen Militäroperation habe es eine "hohe Zahl an Todesopfern" gegeben, schrieb das Außenministerium auf der Plattform X. Darunter seien zuletzt auch acht Sanitäter des Palästinensischen Roten Halbmonds gewesen. Das Auswärtige Amt bekräftigte: "Humanitäre Helfer und Sanitäter riskieren ihr eigenes Leben, um anderen zu helfen. Sie sind #KeinZiel."

Bei einem israelischen Luftangriff im nördlichen Gazastreifen ist nach palästinensischen Medienberichten eine Klinik des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA getroffen worden. Mindestens acht Menschen seien bei dem Vorfall in Dschabalija getötet und weitere verletzt worden, meldete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Ein israelischer Armeesprecher sagte, man prüfe den Bericht. Laut Wafa hielten sich im Bereich der Klinik Binnenvertriebene auf. In dem Gebäude sei ein Feuer ausgebrochen.

Die israelische Armee sprach dagegen von einem Angriff auf Hamas-Terroristen in Dschabalija. Diese hätten sich in einem Kommandozentrum aufgehalten, "das zur Koordinierung von Terroraktivitäten und als zentraler Treffpunkt der Terrororganisation diente". Von dort aus seien Terroranschläge auf israelische Ziele geplant worden.

Auch bei weiteren israelischen Angriffen in anderen Teilen des Küstenstreifens habe es insgesamt vier Todesopfer gegeben. In Chan Junis im Süden des Gazastreifens seien zudem die Leichen von zwölf Menschen aus Trümmern geborgen worden, darunter auch Frauen und Kinder. 

Konfliktparteien als Quelle
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch Konfliktparteien können in der aktuellen Lage zum Teil nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Die USA entsenden im Zuge ihrer Angriffe auf die Huthi-Rebellen im Jemen einen weiteren Flugzeugträger in den Nahen Osten. Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, wird der Flugzeugträger "USS Carl Vinson" vom Indopazifik in den Nahen Osten verlegt, wo bereits der Flugzeugträger "USS Harry S. Truman" im Einsatz ist. Ziel sei es, die "regionale Stabilität" zu fördern, vor Angriffen "abzuschrecken" und den "freien Handelsfluss in der Region" zu schützen.

Die vom Iran finanzierte Huthi-Miliz hat seit Beginn des Gaza-Krieges im Oktober 2023 zwischen Israel und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas immer wieder Schiffe im Roten Meer und im Golf von Aden sowie Ziele in Israel mit Drohnen und Raketen angegriffen. Der Huthi-Miliz geht es nach eigenen Angaben um "Solidarität mit den Palästinensern" im Gazastreifen. Die US-Streitkräfte gehen immer wieder mit Luftangriffen gegen die Miliz vor. US-Präsident Donald Trump hat den Rebellen mit "vollständiger" Vernichtung gedroht.

Bei Luftangriffen der USA sollen in der Nähe der jemenitischen Hafenstadt Hudaida mindestens vier Menschen getötet worden sein. Das berichtete die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz. Nach Angaben der Miliz wurden bei Luftangriffen unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump in dem Land bislang mindestens 65 Menschen getötet. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, hatte die Zahl der Luftangriffe am Dienstag auf mehr als 200 beziffert.

In dem palästinensischen Dorf Duma südlich von Nablus ist es zu Zusammenstößen zwischen radikalen israelischen Siedlern und Dorfbewohnern gekommen. Die Siedler sollen das Dorf am Dienstagabend überfallen und unter anderem Fahrzeuge und zwei Viehfarmen in Brand gesteckt haben, wie örtliche Medien berichten. Die Einzelheiten würden derzeit überprüft, teilte die israelische Armee mit. Der Vorsitzende des Dorfrates von Duma sagte Medien, dass rund 300 israelische Siedler das Dorf gestürmt hätten. Israelische Soldaten am Ort hätten auch Tränengas gegen Dorfbewohner eingesetzt.

Der Angriff führte laut Armee zu einer "gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen israelischen Zivilisten und Palästinensern in der Gegend". Dabei wurden Medienberichten zufolge mehrere Palästinenser von scharfer Munition und Gummigeschossen verletzt. Die Armee verurteilte den Zwischenfall und kündigte entschlossenes Handeln an, "um Sicherheit und Ordnung in der Region aufrechtzuerhalten".

Deutschland hat nach Angaben des Auswärtigen Amts die Ausreise einer Gruppe deutscher Staatsbürger und ihrer Angehörigen aus dem umkämpften Gazastreifen erreicht. 19 Deutsche und enge Familienangehörige seien in enger Abstimmung mit den israelischen Behörden über den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom aus dem Küstenstreifen ausgereist, hieß es in der Mitteilung. Ein Charterflug habe die Menschen von einem Flughafen im Süden Israels aus direkt nach Deutschland gebracht. Wie viele Angehörige mitreisen konnten, war zunächst unklar. 

Die Ausreise aus dem seit fast zwei Jahrzehnten blockierten Gazastreifen, in dem rund zwei Millionen Menschen leben, ist seit Beginn des Krieges vor eineinhalb Jahren noch schwieriger geworden. Sie ist - wenn überhaupt - nur über ein langwieriges Verfahren möglich, bei dem Palästinenser mit ausländischer Staatsbürgerschaft etwas bessere Karten haben.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat eine deutliche Ausweitung der Einsätze der Armee im Gazastreifen angekündigt. Ziel sei es, "das Gebiet von Terroristen und Terrorinfrastruktur zu säubern", hieß es in einer Mitteilung des Ministers. Darin war auch die Rede von der Eroberung umfangreicher Gebiete, die israelische "Sicherheitszonen" werden sollten. Für die Ausweitung der Einsätze im Süden des Gazastreifens entsandte das Militär nach Medienberichten eine weitere Einheit. 

"Ich rufe die Einwohner Gazas dazu auf, jetzt für die Vertreibung der Hamas und die Rückführung aller Geiseln aktiv zu werden", hieß es weiter in der Mitteilung von Katz. "Dies ist der einzige Weg, den Krieg zu beenden." Katz hatte bereits zuvor gedroht, Israel werde Teile des Gazastreifens dauerhaft einnehmen. Je länger sich die Terrororganisation Hamas weigere, Geiseln freizulassen, desto mehr Territorium werde sie an Israel verlieren. 

Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach Angaben des von der Terrororganisation Hamas kontrollierten Zivilschutzes mindestens 15 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch Kinder, sagte Zivilschutzsprecher Mahmud Bassal der Nachrichtenagentur AFP. 

Der erste Luftangriff habe im Morgengrauen ein von Flüchtlingen bewohntes Haus in Chan Junis im Süden des Gazastreifens getroffen. Dabei seien 13 Menschen getötet worden, sagte Bassal. Bei einem zweiten Angriff auf ein Haus im Flüchtlingslager Nuseirat seien zwei weitere Menschen getötet worden. Israel hatte Mitte März seine massiven Luftangriffe auf Ziele der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen wieder aufgenommen, wo seit Mitte Januar eine Waffenruhe galt.

Die Vereinten Nationen haben eine Darstellung einer israelischen Behörde zu angeblich ausreichenden Lebensmittelvorräten im Gazastreifen mit ungewöhnlich scharfen Worten zurückgewiesen. "Was die UN betrifft, ist das lächerlich. Wir sind am Ende unserer Vorräte angelangt, der Hilfsgüter, die über den humanitären Weg geliefert wurden. Das Welternährungsprogramm (WFP) schließt seine Bäckereien nicht aus Spaß", sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Er nahm Bezug auf die vorläufige Schließung der Backstuben, aus denen das WFP Brot für Zehntausende Bedürftige bezieht. Es gebe schlicht kein Mehl mehr und kein Gas zum Kochen, sagte Dujarric.

Der Sprecher antwortete auf eine Frage zu einer Behauptung der für Palästinenserangelegenheiten zuständigen israelischen Behörde Cogat. Diese hatte mitgeteilt, es gebe trotz der Blockade von Hilfslieferungen "noch lange genug Lebensmittel, wenn die Hamas sie den Zivilisten überlässt". Im Krieg gegen die palästinensische Terrororganisation Hamas hatte Israel seine Angriffe im Gazastreifen vor zwei Wochen wieder aufgenommen und die Grenzübergänge geschlossen.

UN-Menschenrechtskommissar Türk äußert nach dem israelischen Angriff auf einen Notfall-Konvoi mit 15 Toten "ernste Besorgnis". Israels Militär hat nach Inkrafttreten der Waffenruhe mit der Hisbollah erneut einen Vorort Beiruts angegriffen.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. April 2025 um 12:00 Uhr.