Eine zerrissene ukrainische Flagge hängt an einem Draht vor einem Wohnhaus, das während des russischen Angriffskrieges in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol am 14. April 2022 zerstört wurde.
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Krieg gegen die Ukraine ++ Ukraine weist Vorwurf über Angriffe zurück ++

Stand: 05.04.2025 23:12 Uhr

Russland wirft der Ukraine mehrere Angriffe auf Energieanlagen binnen eines Tages vor. Der ukrainische Präsident Selenskyj hat die Reaktion der Kiewer US-Botschaft auf den russischen Raketenangriff in Krywyj Rih als "schwach" verurteilt.

Die wichtigsten Entwicklungen:

05.04.2025 • 23:12 Uhr

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Nach dem russischen Angriff auf seine Geburtsstadt Krywyj Rih hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Welt gemahnt, nicht zu schweigen. "Dieser Angriff ist einer der dunkelsten Momente für Krywyj Rih", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft zu dem Raketenangriff, bei dem nach Behördenangaben 18 Menschen - unter ihnen neun Kinder - ums Leben gekommen waren. Die weltweiten Reaktionen zeigten, dass sich viele klar "gegen den russischen Terror" stellten. 

Man dürfe nicht die Augen verschließen, mahnte Selenskyj. "Es ist falsch und gefährlich, darüber zu schweigen, dass es Russland ist, das Kinder mit ballistischen Raketen tötet", sagte er. "Es stachelt den Abschaum in Moskau nur an, den Krieg fortzusetzen und die Diplomatie weiter zu ignorieren."

Der estnische Außenminister Margus Tsahkna hat die Politiker der Europäischen Union zu einer härteren Linie gegen den ungarischen Regierungschef Viktor Orban aufgerufen. Im Interview der "Rheinischen Post" warf er Orbán vor, er spiele nur dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Hände. "Wir haben mit Ungarn ein sehr schwaches Land, das in Putins Mannschaft mitspielt. Nicht in unserer europäischen."

Tsahkna schlug vor, dem Ungarn bei wichtigen Entscheidungen, etwa zur europäischen Außen- und Sicherheitspolitik, befristet das Stimmrecht zu entziehen. Dazu biete Artikel 7 des Vertrags über die Europäische Union die Möglichkeit, wenn die Sicherheit Europas und die der anderen Mitglieder gefährdet sei, sagte Tsahkna. "Das ist also genau das, was Orban tut." 

Die Ukraine weist russische Berichte über Angriffe auf Energieanlagen zurück. Von Russland seien Vorwürfe erhoben worden, die Ukraine habe am Freitag 14 Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur verübt, erklärt das ukrainische Militär auf Telegram. "Die 'Angriffe' sind gefälscht." Ukrainische Angriffe zielten ausschließlich auf militärische Ziele der russischen Armee.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Reaktion der Kiewer US-Botschaft auf den jüngsten russischen Raketenangriff in Krywyj Rih als "schwach" verurteilt. "So ein starkes Land, so starke Menschen - und so eine schwache Reaktion", schrieb Selenskyj in Onlinemedien. Er kritisierte US-Botschafterin Bridget Brink insbesondere dafür, dass sie Russland nicht explizit als Verursacher des Angriffs mit 18 Toten genannt habe.

"Sie haben sogar Angst davor, das Wort 'russisch' zu benutzen, wenn sie über die Rakete sprechen, die die Kinder getötet hat", kritisierte Selensky. 

Brink hatte am Abend erklärt, sie sei "entsetzt" über den Angriff mit einer Rakete, die "neben einem Spielplatz und einen Restaurant" in Selenskyjs Heimatstadt Krywyj Rih eingeschlagen sei. Sie verwies darauf, dass unter den Todesopfern auch Kinder waren. "Darum muss der Krieg enden", fügte die Botschafterin hin. Russland als Angreifer nannte sie nicht. 

Russischer Angriff auf Wohngebiet in Krywyi Rih

Friedrich Leist, ARD-Aktuell, tagesschau24, 05.04.2025 15:00 Uhr

Russland wirft der Ukraine 14 Angriffe auf Energieanlagen binnen eines Tages vor. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau berichtet, kam es durch die Angriffe am Freitag zu Schäden in den Regionen Brjansk, Belgorod, Smolensk, Lipezk und Woronesch.

Eine von den USA vermittelte Übereinkunft sieht einen vorübergehenden Stopp von Angriffen auf Energieanlagen im Ukraine-Krieg vor. Beide Seiten haben sich wiederholt gegenseitig vorgeworfen, die Vereinbarung zu brechen.

Die Armeechefs von Frankreich und Großbritannien haben bei einem Besuch in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Möglichkeiten einer Friedenssicherung nach einem Ende des Ukraine-Kriegs erörtert. Der französische Generalstabschef Thierry Burkhard teilte mit, es sei über einen möglichen Einsatz internationaler "Rückversicherungstruppen" gesprochen worden. 

"Gemeinsam wollen wir einen dauerhaften und soliden Frieden in der Ukraine gewährleisten, eine wesentliche Voraussetzung für die Sicherheit des europäischen Kontinents", erklärte Burkhard. Er und sein britischer Kollege Tony Radakin hatten am Freitag Gespräche mit Selenskyj, dem ukrainischen Armeechef Oleksandr Syrskyj sowie Verteidigungsminister Rustem Umerow geführt.

Selenskyj sprach im Anschluss von einem "entscheidenden" Treffen. "Wir sprechen über die Präsenz am Boden, in der Luft und auf See. Wir sprechen auch über die Luftverteidigung. Und über einige andere sensible Dinge", erklärte der Präsident am Freitagabend, ohne Einzelheiten zu nennen. "Wir werden uns jede Woche auf militärischer Ebene treffen", fügte er hinzu.

Der stellvertretende Chef des ukrainischen Generalstabs, Brigadegeneral Oleksy Shevchenko (3.v.r.), begrüßt den französischen Chef des Verteidigungsstabs, General Thierry Burkhard (2.v.l.), und den britischen Chef des Verteidigungsstabs, Admiral Tony Radakin (l.), bei ihrer Ankunft mit dem Zug auf dem Bahnhof in Kiew in der Ukraine.

Tony Radakin (l.) und Thierry Burkhard (2.v.l.) bei ihrer Ankunft in Kiew.

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der westrussischen Republik Mordwinien ist nach Angaben der dortigen Behörden eine Industrieanlage getroffen worden. Es habe keine Opfer gegeben, Einsatzkräfte seien vor Ort, erklärte ein örtlicher Politiker. Er machte keine Angaben zur Art der Anlage. Auf dem Telegram-Kanal Basa, der den russischen Sicherheitsbehörden nahesteht, heißt es, das Ziel sei eine Glasfaser-Fabrik in Saransk gewesen. Die Stadt liegt rund 820 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Konfliktparteien als Quelle
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hält in der Debatte über eine neue Form der Wehrpflicht Geschlechtergleichheit für geboten. Sie halte den Vorschlag von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), einen verpflichtenden Fragebogen über die Bereitschaft zur Musterung an junge Menschen zu verschicken, für einen "Weg, den wir Grüne mitgehen könnten", sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Sie finde zudem "grundsätzlich, dass alle gesellschaftlichen Aufgaben gleichberechtigt verteilt werden sollten". "Perspektivisch" könne sie sich das auch für Frauen vorstellen, sagte Dröge auf die Frage, ob dann auch Frauen den Fragebogen verpflichtend beantworten sollten. "Gleichzeitig müssen wir dann aber auch die Gleichstellung in allen anderen Bereichen schaffen, etwa für die Familien- und Pflegezeit", fügte sie an.

Der CSU-Verteidigungspolitiker Florian Hahn drängte Union und SPD unterdessen zu einer raschen Wiedereinführung der Wehrpflicht. "Unsere Schwäche provoziert unsere Gegner - genau deswegen müssen wir schnellstmöglich aufwuchsfähig werden, auch durch die Reaktivierung der Wehrpflicht", sagte er der Bild. Deutschland müsse "vom Reden ins Handeln kommen" und "in den Bereichen Cyber, Weltraum und Drohnen aufholen".

Die ukrainische Luftverteidigung hat nach Angaben aus Kiew 51 von 92 Drohnen abgeschossen, die Russland in der Nacht zum Samstag bei Angriffen auf die Ukraine eingesetzt hat. In einer Erklärung hieß es, 31 weitere russische Drohnen seien "verloren" gegangen - dies bedeutet üblicherweise, dass das Militär elektronische Kriegsführung einsetzt, um sie abzufangen oder zu blockieren. Schäden wurden in den Regionen Kiew, Zhytomyr, Sumy und Dnipropetrovsk verzeichnet.

Die Zahl der Toten und Verletzten nach einem russischen Raketenangriff auf die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj steigt. Nach ukrainischen Angaben sind 18 Menschen getötet worden. Darunter seien neun Kinder, erklärte der örtliche Gouverneur. 61 Menschen seien bei dem Angriff auf Krywyj Rih verletzt worden, darunter zwölf Kinder. Zuvor war von 14 Toten die Rede gewesen.

Birgit Virnich, ARD Kiew, zu dem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Krywyj Rih

tagesschau, 05.04.2025 12:00 Uhr

Der Präsident des Reservistenverbands, Patrick Sensburg, hält für die Landesverteidigung eine Zahl von einer Million Reservisten für nötig. Um Deutschland in der Fläche zu verteidigen, bräuchte man 300.000 bis 350.000 Soldaten, sagte Sensburg dem Nachrichtenportal t-online. "Die Zahl der Reservisten müsste um das Dreifache sein, also rund knapp eine Million."

Er fügte hinzu: "Wir brauchen ein Massen-Heer, um in einem möglichen Krieg zu bestehen." Sensburg verwies auf NATO-Berechnungen, wonach bei einem möglichen Krieg an der Ostflanke 5000 Soldaten täglich sterben könnten. "Ich hätte als Soldat in der aktiven Truppe ein schlechtes Gefühl, wenn keine Reservisten in der Nähe wären", sagte er. "Denn wenn ich von 5000 Toten ausgehe und danach rückt niemand mehr nach, kann ich ausrechnen, wie lange es dauert, bis die Front einbricht."

Der Präsident des Reservistenverbands kritisierte auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, dessen Wehrdienst-Modell im ersten Jahr 5000 freiwillige Wehrdienstleistende einplant. Das sei "illusorisch" und eine "viel zu kleine Zahl", sagte Sensburg.

Das ukrainische Militär erklärt am frühen Morgen, Russland verbreite falsche Informationen über den Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Krywyj Rih. "Die Rakete hat ein Wohngebiet mit einem Spielplatz getroffen", schrieb der Generalstab des Militärs in einer Erklärung auf Telegram. Russland hatte zuvor behauptet, eine Gruppe ukrainischer Soldaten mit ausländischen Ausbildern getroffen zu haben. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden bei dem Angriff mindestens 14 Menschen getötet, darunter sechs Kinder.

Laut Präsident Selenskyj sollen Arbeitsgruppen die Bildung einer internationalen Truppe zur Sicherung einer Waffenruhe vorbereiten. Der innere Kreis um US-Präsident Trump rät ihm offenbar vorerst von einem Telefonat mit Kremlchef Putin ab.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. April 2025 um 12:00 Uhr.