
Rheinland-Pfalz Warum zwei junge Frauen in Speyer in einem klassischen Männerberuf arbeiten wollen
Immer noch arbeiten deutlich weniger Frauen als Männer in technischen Berufen. Warum sich zwei Frauen für eine Ausbildung als Fluggerätmechanikerin in Speyer entschieden haben.
Eine Halle so groß wie ein Fußballplatz, Werkbänke in mehreren Reihen, unzählige Arbeitsplätzen – das Gelände von PFW Aerospace in Speyer.
An einem der Arbeitsplätze steht Michelle Williams. Sie hat ein Metallstück in eine Halterung gespannt und feilt Kanten glatt. "Wir bauen ein Modellflugzeug und das Teil, was ich jetzt fertige, ist das Oberteil vom Rumpf“, sagt sie.
Ausbildung als Fluggerätmechanikerin in Speyer: Der Großteil sind Männer
Michelle ist im ersten Jahr ihrer Ausbildung zur Fluggerätmechanikerin. Sie ist eine von fünf Frauen in ihrem Jahrgang mit 18 Azubis. Der Großteil der Kollegen sind also Männer.

Auszubildende bei PFW Aerospace in Speyer
Wie ihr geht es vielen Frauen, die in MINT-Berufen arbeiten wollen - das sind Berufe in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik: Nur 37,3 Prozent aller MINT-Studierenden sind Frauen.
Der Frauenanteil aller Beschäftigten in MINT-Berufen lag zuletzt in Rheinland-Pfalz bei 14,3 Prozent, teilt das rheinland-pfälzische Frauenministerium mit.
Der Gedanke, dass unsere Teile nachher mitfliegen – das ist sehr faszinierend. Azubi bei PFW Aerospace in Speyer
Michelle ist im ersten Jahr ihrer Ausbildung zur Fluggerätmechanikerin. Neben dem Feilen muss sie zum Beispiel auch Biegen und Bohren lernen.

Die Männer sind in der Überzahl: Nur fünf Frauen machen eine Ausbildung als Fluggerätmechanikerinnen bei PFW Aerospace Speyer.
"Das Faszinierende an dem Beruf ist, dass man aus Metall verschiedene Teile für Flugzeuge herstellt und der Gedanke, dass die nachher mitfliegen – das ist sehr faszinierend.“
Auszubildende bei PFW Aerospace in Speyer fühlt sich ernst genommen
Dass der Großteil der Kollegen von ihr Männer sind – das ist für sie kein Problem:
"Man fühlt sich ernst genommen, kriegt auch außerhalb, wenn ich jetzt sage: ‚Ich mache eine Ausbildung zur Fluggerätmechanikerin‘ – Oh, das ist aber untypisch für ein Mädchen. Aber so mit meinen Arbeitskollegen habe ich gar keine Probleme.“
Auch Freundinnen arbeiten in angeblicher Männerdomäne
Ihrer Kollegin Sophie Kerner geht das ähnlich. In ihrem Freundeskreis ist sie nicht die einzige Frau in einer angeblichen Männerdomäne.

Sophie Kerner und Michelle Williams machen ihre Ausbildung bei PFW Aerospace in Speyer.
Eine Freundin lernt den Beruf der Elektrikerin, eine andere geht in die Landwirtschaft. Das Wahlfach Technik und Naturwissenschaften in der Schule hat ihnen wohl Selbstbewusstsein gegeben.
Familie hat Berufswahl bei PFW Aerospace in Speyer beeinflusst
Aber auch ihre Familie hat die Berufswahl bei PFW Aerospace in Speyer beeinflusst: "Mein Opa hat hier gearbeitet, mein Vater arbeitet hier und deswegen war mir das schon relativ lange klar, dass ich hier auch arbeiten werde", sagt sie.
"Und nicht nur, weil mein Vater das macht, sondern auch weil mich die Luftfahrt begeistert.“
Ausbildung in Speyer nach Tarif bezahlt
Sophie und Michelle werden nach Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie bezahlt – sie bekommen in der Ausbildung rund 200 Euro mehr pro Monat als zum Beispiel medizinische Fachangestellte.

Die Auszubildende stellt einen Prototyp eines Flugzeugteils in Speyer her.
Das Geld ist für beide zwar nicht entscheidend – aber Michelle findet eine gute Bezahlung trotzdem wichtig: "Weil ich mir irgendwann später meine Träume erfüllen möchte. Hätte ich jetzt einen anderen Beruf, hätte ich mich wahrscheinlich einfach weiterqualifiziert, bis es gepasst hätte.“