
Rheinland-Pfalz So wird die Gefahrenstelle auf der Schiersteiner Brücke sicherer
19 Unfälle in anderthalb Jahren. Die Verengung von drei auf zwei Spuren auf der Schiersteiner Brücke bewerten Verkehrsexperten als gefährlich. Das sind ihre Empfehlungen für mehr Sicherheit.
Zuletzt kam am vergangenen Wochenende ein Autofahrer an der Stelle ins Schleudern, wo die Schiersteiner Brücke sich in Richtung Bingen von drei auf zwei Spuren verengt. Das Auto krachte mehrmals links und rechts gegen die Betonabgrenzung und blieb mitten auf der Fahrbahn liegen. Der Fahrer wurde zum Glück nur leicht verletzt. Nicht alle Unfälle in den vergangenen anderthalb Jahren gingen so glimpflich aus.
Die meisten Unfälle an der Stelle passierten im Dunkeln, sagt ein Sprecher der Polizei Mainz. "Das liegt daran, dass die Schwenkung für einige Verkehrsteilnehmer schwer zu erkennen ist." Und bei 95 Prozent der Unfälle seien die Autofahrer zu schnell unterwegs gewesen.
Das sind die Probleme am Fahrbahn-Schwenk der Schiersteiner Brücke
Die Situation: Aus Wiesbaden fährt man dreispurig über die A643 der Schiersteiner Brücke relativ schnell - Tempo 80 ist erlaubt. Auf der Mainzer Seite der Brücke führt die rechte Spur in einer engen Kurve nach Mainz-Mombach ab. Die beiden linken Fahrspuren machen einen Schlenker nach links und führen zweispurig weiter auf der A643 Richtung Bingen-Koblenz.
Das Problem: Autofahrer, besonders wenn sie nicht ortskundig sind, erkennen erst spät, dass die rechte Spur von der Autobahn runter führt. Zudem sind die Fahrspuren nicht eindeutig markiert. Neben den Fahrspuren ist noch viel freie Fläche, die weder schraffiert, noch anders markiert ist. Besonders im Dunkeln ist schwer zu erkennen, was zur Fahrbahn gehört und was nicht.
Wegen der unübersichtlichen Lage versuchen Autofahrer oft, in letzter Minute die Fahrspuren zu wechseln oder fahren viel zu schnell in die A 643 nach Bingen ein. Sie macht an der Stelle einen Linksschlenker.
Verkehrsexperten fordern bessere Hinweise an Schiersteiner Brücke
So ein S-Schwenk, wie es ihn auf der Schiersteiner Brücke gibt, sagt Christian Schmidt, Verkehrsexperte des Automobilclubs ADAC, sei für eine Autobahn ungewöhnlich. "Damit rechnet man nicht auf einer Autobahn." Autofahrer müssten früher auf die Verengung hingewiesen und das Tempo früher reduziert werden. "Und klare Transparenz: Nicht nur bei Tageslicht, sondern auch bei Dämmerung und Regen muss die Situation klar erkennbar sein."
"Wenn wir hier stehen, sehen wir schon ganz viel Fehlverhalten", sagt Prof. Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt. Er hat sich auf Verkehrssicherheit spezialisiert und steht an der gefährlichen Stelle auf der Schiersteiner Brücke. Hinter ihm wird immer wieder gehupt, weil Autofahrer in letzter Minute die Spur wechseln. "Wir sehen, dass die Spuren so nicht immer akzeptiert werden." Die Spuren müssten dringend zugeordnet werden, meint er. "In der Abbiegespur brauchen wir den Rechtsabbiege-Pfeil. Ganz notwendig, damit die Autofahrerinnen und Autofahrer wissen, was los ist. Und wir sollten dringend die Standstreifen mit Sperrmarkierungen aus dem Verkehrsraum rausnehmen, um wirklich deutlich zu machen. Das ist kein Fahrstreifen."
Autofahrer müssen langsamer fahren
Er ist auch dafür den Bereich so zu verengen, dass die Verkehrsteilnehmer es auch räumlich spüren: Hier muss ich langsam fahren. "Um noch mehr zu verdeutlichen: Hier ist Ende. Hier musst Du aufpassen. Bitte geh mit der Geschwindigkeit angemessen um und versuch, Dich richtig zu orientieren."
Das A und O für mehr Sicherheit auf der Schiersteiner Brücke ist also: Runter vom Gas. Das will die Polizei künftig strenger überwachen.