Bei einer gemeinsamen Razzia der Polizei in Italien und Deutschland gegen die Mafia sind mehrere Menschen festgenommen worden. Auch im Westerwald wurde ein Campingplatz durchsucht.

Rheinland-Pfalz Razzia gegen Mafia - Mann im Westerwald festgenommen

Stand: 01.04.2025 17:07 Uhr

Bei einer gemeinsamen Razzia der Polizei in Italien und in vier Bundesländern ist nach Angaben der Ermittler auch ein Mann im Westerwald festgenommen worden.

Mehrere Polizisten hatten am Dienstagvormittag einen Campingplatz in Maroth im Westerwaldkreis durchsucht. Im wenige Kilometer entfernten Dierdorf sei ein Mann festgenommen worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Durchsuchung stand im Zusammenhang mit der Razzia in vier Bundesländern und in Italien gegen die Mafia und die organisierte Kriminalität.

Festnahme im Westerwald nach Razzia gegen die Mafia

Deutscher Polizist bei Razzia festgenommen

Bei dem koordinierten Einsatz ist nach Angaben der Ermittler auch ein deutscher Polizist festgenommen worden. Er soll die kalabrische Mafia 'Ndrangheta unterstützt haben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei in Waiblingen mitteilten.

Der Polizeibeamte gehöre der Landespolizei Baden-Württemberg an und sei beim Polizeipräsidium Aalen beschäftigt. Gegen den 46 Jahre alten Polizeihauptmeister sei Haftbefehl wegen Geheimnisverrats erlassen worden.

Insgesamt seien bei der Razzia 34 Haftbefehle und 40 Durchsuchungsbeschlüsse in Italien und Deutschland vollstreckt worden, heißt es weiter. Betroffen seien neben Baden-Württemberg auch Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie das Saarland. 

Verdächtige sollen Verbindung zur 'Ndrangheta haben

Der Einsatz gehe auf eine seit dem Sommer 2021 bestehende Ermittlungskooperation mit den italienischen Behörden zur Bekämpfung der Mafia und der organisierten Kriminalität zurück. Den Verdächtigen werden Verbindungen zur kalabrischen Mafia 'Ndrangheta vorgeworfen, wie die italienische und die deutsche Polizei weiter mitteilten. Sie sollen am Aufbau einer kriminellen Organisation beteiligt gewesen sein, die auch in Deutschland ihre Ableger haben soll.

Konkrete Vorwürfe: Betrug unter anderem mit Lebensmitteln

Die mutmaßlichen Mafiosi sollen sich zwischen April 2020 und Mitte 2022 unter anderem gegenüber einer Firma in Ungarn und Firmen in Italien als Mitglieder tatsächlicher deutscher Unternehmen aus der Lebensmittelbranche ausgegeben haben.

Sie hätten in großen Mengen Produkte sowie Maschinen für die Herstellung von Pizza bestellt. Die Unternehmen vertrauten auf den guten Ruf und lieferten die Waren in ein angebliches Lager einer nicht existenten Firma aus, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. Weil Rechnungen nicht bezahlt und die Produkte an Gastronomen in Deutschland verkauft worden seien, sei ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro entstanden. Die Gastronomen hätten um die Mafia-Zugehörigkeit der Anbieter gewusst. Aus Angst seien sie auf den Handel eingegangen, hieß es.

Die 'Ndrangheta
Die 'Ndrangheta (aus dem Griechischen für Mut oder Treue) gehört zu den mächtigsten Mafia-Organisationen weltweit und ist über die Grenzen Italiens hinaus aktiv. Beheimatet ist sie in der Region Kalabrien, gegenüber der Insel Sizilien. Sie dominiert den internationalen Drogenhandel, verdient ihr Geld aber auch mit Waffenhandel, Geldwäsche und Korruption. Ihren Umsatz schätzen manche Experten auf mehr als 100 Milliarden Euro. Es gibt in Kalabrien rund 160 Clans mit schätzungsweise 6.000 Mitgliedern. Die 'Ndrangheta hat auch in Deutschland ein festes Standbein. Clans der Organisation waren etwa für die Mafia-Morde von Duisburg verantwortlich, bei denen 2007 sechs Menschen vor einer Pizzeria erschossen wurden.

Sendung am Di., 1.4.2025 14:00 Uhr, SWR4 am Nachmittag, SWR4

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