
Brandenburg Berlin Warum Schokolade deutlich teurer wird
Stark gestiegene Kakaopreise lassen Schokolade immer teurer werden - gerade zu Ostern. Der Import der Kakaobohne wird unter anderem von der Inflation beeinflusst - und auch die Shrinkflation macht sich bemerkbar. Von Efthymis Angeloudis
Ob Hasen, Eier oder Lämmer: Zu Ostern ist gefühlt alles aus Schokolade. Doch leider sind die Preise für Schokolade in den letzten Monaten stark gestiegen. Die sogenannte "Schoko-Inflation" belastet über die Feiertage die Geldbeutel der Verbraucher.
Mehrere Schokoladenhersteller haben in den vergangenen Monaten die Preise für ihre Produkte erhöht. Der Schokoladenhersteller Ritter um etwa 30 Prozent, Lindt & Sprüngli aus der Schweiz, die unter anderem die ikonischen Osterhasen herstellen, um 6,3 Prozent - und nun sollen die Preise zweistellig steigen.

Kakaopreise auf historischen Höchststand
"Die Kakaopreise haben im laufenden Jahr historische Höchststände erreicht", sagt Julia Buse vom Berliner Schokladenhaus Rausch. Seit 2023 hätte sich der Preis pro Tonne Kakao vervierfacht – von etwa 2.000 auf derzeit rund 8.500 US-Dollar. "Ursachen sind witterungsbedingte Ernteausfälle, Pflanzenkrankheiten, höhere Produktionskosten und neue regulatorische Anforderungen."
Extremwettereignisse wie lange Dürreperioden, Starkregen oder Überflutungen führten zu geringeren Erträgen, schlechterer Qualität oder vollständig zerstörten Ernten, wie WWF-Expertin Kerstin Weber im Januar dem ZDF sagte. Vielerorts würden die Kakaobäume zudem von Krankheiten befallen.
Hitzewellen in Westafrika schaden Kakaoernte
Auch das Berliner Schokoladenhaus Rausch spürt die Auswirkungen des weltweiten Preisniveaus und erhöht seine Preise ab dem 1. Mai. "Gleichzeitig sind wir deutlich unabhängiger vom volatilen Weltmarkt als viele Handelsmarken – und das aus einem klaren Grund: Unsere Schokoladen werden ausschließlich aus Edelkakao hergestellt, den wir direkt von Kakaofarmerinnen und -farmern in den Ursprungsländern beziehen – ohne Zwischenhändler, ohne Spekulation über die Kakaobörsen in New York oder London", sagt Buse.
Gemeint sind die New York Cocoa Futures Exchange und die Londoner Intercontinental Exchange - die wichtigsten Kakaobörsen der Welt. Dort werden nicht nur Kakaobohnen verkauft und Preise basierend auf Angebot und Nachfrage festgelegt sondern auch Derivate gehandelt, die es Händlern ermöglichen, sich gegen Preisrisiken abzusichern.
Und das scheint angesicht der sich häufenden Missernten der Kakaobohne in Westafrika aufgrund von Hitzewellen dringender denn je. Eine Studie der Organisation World Weather Attribution (WWA) aus dem vergangenen Jahr zeigt eindrücklich, dass diese Hitzewellen, die der Kakaoernte schadeten, Westafrika um vier Grad wärmer gemacht haben - und höchstwahrscheinlich auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen sind [guardian.com].

Kakaobutter, Kakaofett und Kakaoöl treiben Inflation
Dabei wirkten sich die Missernten der Kakaobohne auch auf die Inflation in Deutschland aus. So sind die Preise für die von Deutschland aus aller Welt importierten Waren im Februar wegen höherer Lebensmittelpreise so stark gestiegen wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Die Einfuhren verteuerten sich um durchschnittlich 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Besonders stark verteuerten sich aber importierte Süßwaren. Hier gab es einen Aufschlag von 61,7 Prozent. "Bei den Süßwaren lag die Teuerung hauptsächlich an den gestiegenen Preisen für Kakaobutter, Kakaofett und Kakaoöl", fand das Statistische Bundesamt heraus. Hier zogen die Preise um 119,4 Prozent, haben sich also binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Hinzu kamen höhere Preisen für Schokolade und andere Süßwaren (+34,7 Prozent).
Schokolade - ein Spekulationsobjekt
Neben den hohen Preisen gibt es aber auch eine Überraschung: Einige Hersteller haben die Schokoladentafeln geschrumpft. Experten nennen dieses Phänomen Shrinkflation oder Schrumpflation. Es beschreibt das Phänomen, dass der Inhalt eines Produkts schrumpft, während der Preis gleich bleibt. Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort "shrink" für "schrumpfen" und "Inflation" zusammen. So wiegt die beliebte Milka-Tafel nur noch 90 statt 100 Gramm – bei gleichem Preis.
Dieses Schrumpfen wirkt angesichts der starken Preissteigerung der Kakaobohnen moderat. Denn bei weiteren Hitzewellen und Missernten könnte Schokolade bald zum Spekulationsobjekt werden.