Brandenburg Tagebauseen: Wie in der Lausitz die größte künstliche Seenkette Europas entsteht
Mit Beginn der neuen Saison nimmt der Sedlitzer See weiter Form an, er ist der letzte der insgesamt 23 renaturierten Tagebauseen in der Lausitz. In einem Jahr soll die größte künstliche Seenkette Europas fertig sein.
Während einige Seen im Lausitzer Seenland bereits erschlossen sind, ist der Sedlitzer See der letzte Projektbaustein, der noch auf seine Fertigstellung wartet. Der See wird momentan saniert, rund 200 Hektar Holz befinden sich noch unterhalb der Wasseroberfläche und müssen zunächst beseitigt werden.
"Wir haben im See tote Bäume, die mit der Flutung abgestorben sind", sagte der Abteilungsleiter Projektmanagement der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) Michael Matthes dem rbb am Dienstag. "Die stellen ein Sicherheitsrisiko für den Bootsverkehr dar und müssen alle rausgeholt werden." Die Bäume werden entweder mit dem Bagger aus dem See gezogen oder abgeschnitten, bevor das Holz an einem Umschlagplatz verladen, geschnitten und weiterverwertet wird.
Freigabe für Saison 2026 erwartet
Der Aufwand sei enorm, so Matthes, es seien richtige Wälder, die beseitigt werden müssen. Auf dem See sind schwimmende Pontons mit jeweils einem Bagger verteilt, daneben müssen auch rund 130.000 Kubikmeter Boden abgetragen werden, die knapp unter der Wasseroberfläche liegen. "Der Seenkomplex soll ja touristisch genutzt werden, und der Sedlitzer See ist Dreh- und Angelscheibe, er verbindet den Großräschener See mit dem Geierswalder sowie dem Partwitzer See", so Matthes.
Der Sedlitzer See wird laut dem Chef der LMBV, Bernd Sablotny, voraussichtlich 2026 freigegeben. Dann wird auch der Verbindungskanal zwischen dem Sedlitzer und dem Großräschener See eröffnet. "Das ist der Ilsekanal, ein fester Termin steht zwar noch nicht fest, aber wir gehen fest davon aus, dass in der Saison 2026 die Freigabe erfolgt", teilte Sablotny, dem rbb am Dienstag mit.
Sedlitzer Bucht und Strandpromenade folgen
Die Entwicklung des Lausitzer Seenlands geht auch über die Seenkette hinaus. Am Sedlitzer See (Oberspreewald-Lausitz) entsteht unter anderem die Sedlitzer Bucht, die im Laufe des Jahres 2026 fertiggestellt werden soll. Ein weiteres Projekt ist die Strand-Promenade "Anna Mathilde", die ebenfalls in den kommenden Jahren an den Start gehen soll.
"Wir haben sehr lange um die Grundstücksproblematik ringen müssen und mussten das Objekt mehrfach verschieben", teilte der Verbandvorsteher Detlef Wurzler dem rbb mit. "Aber wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr mit den Arbeiten beginnen können und das Projekt bis zur Saison 2027 übergeben können."
Mit der Fertigstellung dieser Projekte und der Anbindung des Sedlitzer Sees an die umliegenden Gewässer erhofft sich Wurzler, dass sich das Lausitzer Seenland in den nächsten Jahren zu einem Touristen-Hotspot entwickeln wird.
"In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird das Seenland in eine völlig andere Dimension wachsen. Wir denken, dass wir uns mit den Besucherzahlen dem Spreewald sehr schnell annähern werden", so Wurzler weiter.

Großräschener See auch bald vollständig freigegeben
Nachdem der Großräschener See (Oberspreewald-Lausitz) aus Sicherheitsgründen lange gesperrt war, erreichte er Ende letzten Sommers seinen Zielfüllstand und wurde von September bis Oktober 2024 teilweise zum Baden freigeben.
In ein paar Wochen soll der geflutete Tagebausee laut dem Umweltministerium nun komplett freigegeben werden, sodass ab diesem Sommer die ausgebauten Strände freigegeben werden und auch Boote aufs Wasser dürfen. Die Freigabe hängt hier unter anderem noch an der Landesschifffahrtsverordnung.
Der ehemalige Tagebau Meuro wurde seit 2007 geflutet und sollte zunächst 2018 freigegeben werden, die Arbeiten der Bergbausanierer verzögerten sich jedoch durch die anhaltenden Trockenphasen in Südbrandenburg, sodass zunächst nicht genug Wasser vorhanden war, um die Flutung vollständig abzuschließen.
Von ausgekohlten Flächen zur größten künstlichen Seenkette
Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird in der Lausitz an der Umwandlung der ehemaligen Tagebauregion zur größten künstlichen Seenkette in Europa gearbeitet. Inzwischen umfasst das Lausitzer Seenland 23 künstlich angelegte Bergbaufolgeseen, von denen bereits neun durch schiffbare Kanäle miteinander verbunden sind.
Die Arbeiten an den Kanälen schreiten ebenfalls voran: Von den 13 geplanten schiffbaren Kanälen sind bereits vier fertiggestellt, sechs weitere befinden sich im Bau, weitere drei sind noch in der Vorplanung.
Die vollständige Bergbausanierung im Lausitzer Seenland ist noch nicht abgeschlossen, auch wenn die touristische Nutzung der Tagebauseen bereits 2003 begann. Einige Seen in der Region haben sich bereits als Anlaufstelle für Wassersport etabliert, wie zum Beispiel der Senftenberger und auch der Gräbendorfer See.
Sendung: Brandenburg Aktuell, 01.04.2025, 19:30 Uhr