
Brandenburg Rund 40 ausgebüxte Sika-Hirsche sollen geschossen werden
Circa 40 Sikahirsche leben frei im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Die aus Ostasien stammenden Tiere sind vor zehn Jahren aus einem privaten Wildgatter ausgebüxt. Nun sollen alle Hirsche erlegt werden.
Vor rund zehn Jahren entkamen einige Sikahirsche aus einem Gatter einer Privatperson bei Neustadt (Dosse). Die aus Ostasien stammenden Tiere wurden dort gezüchtet, ihr Fleisch sollte verkauft werden. Der Plan ging nicht auf.
Die entlaufenen Sikahirsche leben seit der Flucht frei in Ostprignitz-Ruppin und vermehren sich stetig. Die männlichen Tiere haben spitze Geweihstangen. In Lohm sind die Sikahirsche - eine Mischung aus Rotwild und Damwild - mittlerweile eine Attraktion.
Abschuss aller freilebenden Sikahirsche in OPR gefordert
"Die Tiere haben keine Sorgen, laufen hier umher und wir haben auch keine Probleme damit, sie bewegen sich ganz gemächlich, sind nicht wild", erläuterte die Bürgermeisterin von Zernitz-Lohm, Sigrid Schumacher (Grüne), im Gespräch mit dem rbb. "Wir haben mittlerweile Sika-Tourismus hier." Die Tiere sollen sogar zutraulich sein. Angefangen hat der Boom mit einem Video. Es zeigt, wie die Horde stolz durch das kleine Dorf marschiert ist.
Laut Bundesjagdgesetz gehört der Sikahirsch zu den "jagdbaren Arten", darf vom 1. September bis zum 15. Januar geschossen werden. Bisher kam in Ostprignitz-Ruppin aber niemand auf die Idee, sie zu erlegen. Es sollen rund 40 Tiere sein, tendenziell sogar mehr. Sie sollen in mindestens drei Rudeln leben - eines davon rund um Lohm.

"Den Bestand auf Null reduzieren"
Das Brandenburger Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz als oberste Jagdbehörde hat nun aber per Bescheid den Abschuss aller freilebenden Sikahirsche in Ostprignitz-Ruppin gefordert. Dies soll verhindern, dass sich die Tiere weiter ausbreiten und möglicherweise die heimische Flora und Fauna beeinflussen. Warum das ausgerechnet jetzt angeordnet wurde, ist unklar.
Mit einer Schulterhöhe von 75 bis 110 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 80 Kilogramm ist der Sikahirsch etwa so groß wie der Damhirsch. Er ähnelt diesem auch hinsichtlich der Fellfärbung, braunes Fell mit weißen Flecken auf dem Rücken, die jedoch im Winter stark verblasst. Gut zu unterscheiden ist der Sikahirsch vom Damhirsch allerdings durch sein Geweih, da es nicht schaufelartig ist, sondern links und rechts jeweils nur eine Stange mit je zwei bis fünf Enden bildet.
Die Sikahirsche gelten als invasive Art. Zwischen den Rot- und Damwildbeständen sei für sie kein Platz im Land, heißt es. Das Sikawild sei eine gebietsfremde Art aus Asien, die einen unüberschaubaren Einfluss auf die Natur haben könne, teilte das Ministerium dem rbb auf Nachfrage mit. Daher sei die Maßgabe, "den Bestand auf Null zu reduzieren".
Bejagung könnte angeordnet werden
Erlegt werden sollen die Tiere demnach "von den Jagdausübungsberechtigten der betroffenen Jagdbezirke" - auf freiwilliger Basis. Geplant sei eine Schonzeitaufhebung und die Aufhebung des Nachtjagdverbotes. Es könne aber auch eine Bejagung angeordnet werden, hieß es weiter. Dann könnten auch Dritte beauftragt werden, die Sikahirsche zu schießen. Bis Mai 2026 sollen den Angaben zufolge alle Sikahirsche in Ostprignitz-Ruppin erlegt werden.
Es sei denn, es regt sich Widerstand gegen den Abschussbescheid. Die Forderung stößt in jedem Fall auf geteilte Meinungen. Es wurden bereits Stimmen laut, die die Maßnahme als notwendig erachten, um ökologische Schäden zu vermeiden. Es dürfe nicht erst reagiert werden, wenn es zu spät ist - wie bei Waschbären und Wölfen zum Beispiel. Andere fordern, die Tiere in Ruhe zu lassen, darunter auch viele Menschen aus Lohm.
Der Naturschutzbund Deutschland unterstützt eine kontrollierte Bejagung, um Schäden zu minimieren, ohne jedoch einen Totalabschuss zu propagieren.
Mit Material von Theresa Majérowitsch.
Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 02.04.2025, 19:30 Uhr