
Berlin Konzert im Tempodrom Berlin: Viel mehr als "nur" Anastacia
Vor 25 Jahren brachte Anastacia ihr Debüt-Album "Not That Kind" heraus - und hat seitdem viele Hits gelandet. Am Montagabend feierte die Musikerin das im Berliner Tempodron. Jakob Bauer befürchtete eine Nostalgie-Show - und bekam eine fantastisches Live-Konzert.
Mit "I’m Outta Love" landete Anastacia vor genau 25 Jahren ihren ersten großen Hit. Seitdem hat die US-Amerikanerin es mit jedem Album in die deutschen Charts geschafft. Am Montag feierte Anastacia im Berliner Tempodrom den 25-jährigen Geburtstag ihres Debüt-Albums "Not That Kind".
Es wirkt alles erstmal sehr gediegen: Das Berliner Tempodrom ist am Montagabend voll bestuhlt - für ein Pop-Rock-Konzert nie die beste Wahl. Das Bühnenbild strahlt Vertrautheit und Sicherheit aus. Es zeigt ein Haus mit Fenstern, auf das Graffiti im 2000er-Stil gemalt sind: Ein leicht kitschiges Herz mit Flügeln ist da zu sehen, "I’m Outta Love" steht da geschrieben. Klar - es geht ja auch vor allem um das Debüt-Album von Anastacia aus dem Jahr 2000, Titel "Not That Kind", Aber dieser Aufbau im Stil "gute alte Zeiten" lässt befürchten, dass es ein reiner Nostalgie-Abend werden könnte, der mehr von den Erinnerungen als von frischer musikalischer Kraft lebt.
Wie schön, wenn man sich so irrt.

Die Sonne geht auf
Denn als Anastacia durch die Haustür auf die Bühne tritt, hat das Publikum schnell keine Lust mehr auf Sitzen. Und so ein gemeinsamer Moment zwischen Künstlerin und Publikum kann vor allem früh in der Show so wichtig sein: Man sieht richtig, wie die Sonne im Gesicht von Anastacia aufgeht, als die Menschen aufstehen, richtig laut mitsingen, nicht nur 1, 2, 3, 4 mitklatschen, sondern die Musik fühlen, als sie ihren ersten Hit anstimmt: "One Day in Your Life".
Und nicht nur Anastacia scheint beglückt, sondern auch ihre Band. Diese Band ist dabei nicht nur eine Hintergrund-Band: Die sieben Musiker neben Anastacia – Gitarrist, Bassist, Keyboarder, Schlagzeuger, Perkussionist, ein Sänger und eine Sängerin – formen eine amtliche Soul-Rock-Funk-Band mit eigenem Charakter.

Tausend Mal gehört – trotzdem wieder frisch
Denn es ist so: Man denkt, man habe diese Songs von Anastacia jetzt schon tausend Mal im Radio gehört. Aber hier rasselt irgendwo immer nochmal ein Schellenkranz, der Bassist macht fast schon unanständig schnelle Dinge auf seinem fünfsaitigen Bass, der Gitarrist hat den Fuß ohne Pause auf dem Wah-Wah-Pedal. Und diese Sänger: Weich und soulig, aber so kraftvoll und pointiert legen sie Harmonie um Harmonie über Anastacias immer noch sehr sichere, sehr markante nasal-soulig-knödlige Stimme. Die beiden stehen mit ganz vorne auf der Bühne, spielen sich die Töne zu, singen auch mal ganz allein, bringen die Stimmung zum Kochen, es ist die reine Freude.
Auch als Show-Masterin funktioniert Anastacia. Sie könnte das Publikum wahrscheinlich problemlos mit Anekdoten zu ihren deutschen Vorfahren, Witzchen und Animationen bei Laune halten. Aber das braucht hier eigentlich niemand. Es ist einer dieser Abende, an dem wirklich in der Musik die größte Verbindung entsteht, auch bei den gar nicht so wenigen Cover-Versionen, die die Band geschickt in ihre Songs einbaut. Als Intro zum Hit "Left Outside Alone" knallen sie eine wirklich wuchtige Version von Led Zeppelins "Kashmir" raus. In Gänze spielen sie Guns’n’Roses "Sweet Child O Mine". Und während sich Anastacia mal umzieht, vibet das ganze Publikum, die meisten so zwischen 40 und 60, zum 90er Hip Hop Klassiker "This Is How We Do It" von Montell Jordan.
Alles passt zusammen
Ganz am Ende singt dann die ganze achtköpfige Band zusammen a capella mit dem Publikum und das passt, denn dieser Abend lebt nicht vom Star Anastacia allein, sondern vom Zusammenspiel mit dieser starken Band, in die sie sich eigentlich eher organisch einfügt, als sie anzuführen. Die Energie im Raum entsteht aus dieser Verbindung zwischen Band, Anastacia und Publikum und natürlich auch aus der Nostalgie. Aber vor allem ist es ein Konzert voll im Hier und Jetzt - auf höchstem musikalischen Niveau.
Sendung: