
Berlin Hundeführerschein statt Rasseliste: Das könnte auf Halter in Berlin zukommen
Der Berliner Senat will die Liste gefährlicher Hunderassen abschaffen. Stattdessen soll ein Hundeführerschein kommen – möglicherweise mit Wesenstest für Hund und Theorie- und Praxisprüfung für Halter. Das würden die Pläne für Berlin bedeuten.
Pit-Bulls, American Staffordshire Terrier, Bullterrier und deren Kreuzungen gelten in Berlin seit der "Gefährliche-Hunde-Verordnung" seit 2016 als gefährliche Hunderassen [gesetze.berlin.de]. Sie zu besitzen, zieht eine Reihe von Aufgaben nach sich. Halter:innen müssen unter anderem ihr Führungszeugnis und eine Haftpflichtversicherung vorlegen und das Tier den Behörden vorstellen.
Diese Rasseliste für Hunde sollte nach Ansicht von Experten in Berlin abgeschafft werden, wie im Abgeordnetenhaus jetzt gefordert wurde. Stattdessen könnte ein Hundeführerschein für alle Rassen kommen.
Warum sollte die Liste gefährlicher Hunderassen abgeschafft werden?
Es sei stigmatisierend und nicht mehr zeitgemäß, dass für die drei Rassen verschärfte Auflagen wie Leinen- und Maulkorbpflicht gelten, kritisieren Vertreter:innen unter anderem vom Tierschutzverein und dem Bezirk Mitte. "Wenn Sie das Ziel haben, illegale Autorennen in der Innenstadt zu verbieten und danach vorschreiben, dass Porsche verboten sind, aber weiterhin Ferraris zugelassen, ist damit der Sache nicht geholfen", sagt die Amtstierärztin von Mitte, Elena Kaschubat.

Außerdem gebe es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Hunderassen Pit-Bull, American Staffordshire Terrier und Bullterrier genetisch bedingt aggressiver seien als andere. Die Berliner Beiß-Statistik führten zum Beispiel Dackel und Schäferhunde an, sagt Eva Rönspieß vom Berliner Tierschutzverein. Und ergänzt: "Das Problem ist oftmals am anderen Ende der Leine und hat zwei und nicht vier Beine." Heißt: nicht die Hunde, sondern die Halter.
CDU und SPD hatten bereits im Koalitionsvertrag vereinbart, sich für die Abschaffung der Rasseliste einzusetzen [berlin.de]. In Brandenburg ist man da schon weiter: Mit der neuen Hundehalteverordnung zum 1. Juli 2024 hatte das Land die Einstufung von Hunden als unwiderlegbar gefährliche und widerlegbar gefährliche Hunde aufgrund der Rasse abgeschafft. Die Einteilung stammte aus dem Jahr 2004. Weiterhin gilt die Leinenpflicht für Hunde unter anderem in Fußgängerzonen - in öffentlichen Verkehrsmitteln muss der Hund einen Maulkorb tragen.

Welche Alternative zur Rasseliste wird gefordert?
Die Behörden sollten sich stattdessen um auffällige Hunde kümmern, nicht um bestimmte Rassen. Deshalb schlagen die Expert:innen vor, den Hundeführerschein einzuführen.
Den Vorschlag begrüßte Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU), konkrete Überlegunen stünden jedoch noch am Anfang. "Wir wollen jetzt fachlich prüfen, ob die Abschaffung der Rasseliste, gegebenenfalls unter begleitenden Maßnahmen, zu mehr Tierwohl bei gleichzeitiger Sicherheit der Bevölkerung führen kann." Als mögliche Begleitmaßnahmen nannte Badenberg aber auch einen verpflichtenden Sachkundenachweis für alle Hundehalter:innen, also Hundeführerschein.
Für Besitzer:innen der Rassenliste-Hunde gibt es schon jetzt eine Sachkundeprüfung, freiwillig können sie auch alle anderen absolvieren. Die Themen, die auch in einem möglicherweise verpflichtenden Hundeführerschein abgefragt werden, listet das Land online auf [berlin.de].
Seit Juli 2013 gilt in Niedersachsen der Hundeführerschein, der Vorbild für Berlin sein könnte und auf den sich Badenberg bei ihren Überlegungen auch bezieht.

Was sieht der Hundeführerschein in Niedersachsen vor?
Um dort einen Hundeführerschein zu erhalten, müssen Halter:innen vor der Anschaffung ihres Hundes eine theoretische Prüfung ablegen [ml.niedersachsen.de]. Geprüft werden Fragen zum Thema Hundeerziehung und Training, Gesundheit und Pflege (wie Impfungen, Ernährung und Erste Hilfe bei Hunden), rechtliche Grundlagen wie Leinen- und Maulkorbpflicht, sowie Hunderassen im Allgemeinen und deren Verhalten. Die Prüfung wird in der Regel schriftlich mit Multiple-Choice-Fragen abgelegt, es werden Vorbereitungskurse empfohlen.
Innerhalb des ersten Jahres der Hundehaltung muss dann eine praktische Prüfung abgelegt werden. Dabei zeigen Halter:innen zum Beispiel, dass sie ihren Hund sicher an der Leine führen können, dass die Grundkommandos wie "Sitz", "Halt", usw. sitzen, dass sich die Hunde in der Nähe von anderen Hunden angemessen verhalten und dass ihr Hund beim Tragen eines Maulkorbs entspannt bleibt.
Hinzu kommen unter anderem Nachweise wie eine Haftpflichtversicherung und Gebühren für Prüfungen sowie Registrierung.
Wer ist für, wer gegen den Hundeführerschein in Berlin?
Für die Positionen der Expert:innen hat es bei der Anhörung im Abgeordnetenhaus viel Zustimmung gegeben. Der fraktionslose Abgeordnete Antonin Brousek kritisierte hingegen den Vorschlag: "Dass ich aber jemandem sage, du musst ne Art Waffenschein für Hunde machen, finde ich falsch - ganz, ganz falsch."
Von Berliner Hundeschulen kommt positives Feedback. Die Hundeschule "Martin Rütters", für die Sven Sandau arbeitet, werbe sogar mit dem Slogan "Hundeschule für Menschen". Damit bestätigt er den Tierschutzverein in der Ansicht, dass eher die Halter trainiert werden müssen. "Viele Hundehalter haben die Bedürfnisse der Hunde nicht auf dem Schirm, sehen ihn nur als Familienmitglied. Da gehe ich ja sogar noch mit, aber wenn der Hund vermenschlicht wird, ist das ein Problem."

Was fehlt bei der Überlegung zum Hundeführerschein?
Sandau hält einen Hundeführerschein für sehr sinnvoll, "um das Wesen Hund als komplexes Lebenwesen zu begreifen". Allerdings: Der Führerschein sollte standardisiert und länderübergreifend sein, damit man beim Umzug in ein anderes Bundesland eine Anerkennung bekommt.
Auch Robert Rößler von der Hundeschule "Nasse Nasen" wünscht sich einen Hundeführerschein, der über die jetzigen Ideen hinausgeht. "Eigentlich muss eine Prüfung, auch die praktische, stattfinden, bevor sich Menschen Hunde anschaffen." Es gebe zu viele Fälle, bei denen die Tiere nach einiger Zeit wieder verkauft würden oder im Tierheim landeten.
Zu viele Interessierte informierten sich nicht, ob die Eigenschaften der Rasse zu ihrem Leben passten. "Wenn zum Beispiel ein älteres Ehepaar einen 40-Kilo-Hund anschaft, wage ich mal das Urteil, dass das krafttechnisch nicht so eine gute Idee ist." Sein Wunsch wäre deshalb: Sich erst beweisen und dann einen Hund anschaffen.
Sendung: rbb24 Inforadio, 27.03.2025, 6:26 Uhr