
Berlin Berliner Schriftsteller Lothar Trolle gestorben
Der Autor Lothar Trolle ist tot. Nach Angaben der Berliner Akademie der Künste vom Dienstag starb der Dramatiker, Dichter, Prosa- und Hörspielautor am Montag im Alter von 81 Jahren in Berlin.
Trolle arbeitete seit 1970 als freischaffender Autor und verfasste Theaterstücke, Hörspiele, erzählende Prosa und Lyrik sowie einige Übersetzungen, unter anderem von Daniil Charms und Euripides. Seit 2019 war er Mitglied der Sektion Literatur der Akademie der Künste, wie die Einrichtung mitteilte.

Autor in der Tradition Heiner Müllers und Bertolt Brechts
Trolle hatte zunächst eine Ausbildung als Handelskaufmann absolviert und dann als Transportarbeiter und Bühnentechniker am Deutschen Theater Berlin gearbeitet, bevor er von 1966 bis 1970 Philosophie an der Humboldt Universität studierte. 1968 erschien mit "Papa Mama" sein erstes Stück.
Überwiegend grotesk und surreal sind seine Texte mit Themen wie Faschismus und Widerstand, kleinbürgerliche Haltungen und soziale Verwerfungen. Trolle schrieb in der Tradition Bertolt Brechts und Heiner Müllers und gehörte zu einer Gruppe von Autoren, deren Stücke in der DDR erst etwa ab den späten 1980er Jahren ein größeres Publikum fanden.
Durchbruch mit "Hermes in der Stadt"
Seinen Durchbruch schaffte Trolle 1992 mit seinem Stück "Hermes in der Stadt", das in der Inszenierung von Frank Castorf am Deutschen Theater Berlin uraufgeführt wurde. Bereits 1991 war Trolle der Einladung von Peter Eschberg in den Westen gefolgt und Autor am Schauspiel Frankfurt geworden. Später kehrte er zurück nach Berlin und war von 1994 bis 1999 Hausautor am Berliner Ensemble.
Trolle wurde auch für seine Hörspiele mehrfach ausgezeichnet: Zweimal erhielt er den Kinderhörspielpreis von Terre des Hommes, 1978 und 1991. 1998 wurde er mit dem Hörspielpreis der Akademie der Künste ausgezeichnet.
Der Schriftstellerkollege Volker Braun würdigte Trolle der Mitteilung der Akademie zufolge als einen "Autor jenseits der Gattungen und der Anpassung". Braun sagte weiter: "Wie die Landschaft, aus der er kam, das Mansfeld, war seine Erscheinung, ruhig, verschlossen, aber sein Wesen wach und angekratzt. Die Erfahrung der Verwerfungen war der Rohstoff seiner so raffinierten wie unprätentiösen Stücke, die den Bühnen bleiben."
Sendung: Radio3, 01.04.2025, 19 Uhr