
Thüringen Neonazi-Hooligans in Bulgarien? Thüringer feiern mit rechtsextremer Symbolik
Mitglieder der rechtsextremen Erfurter Hooligan-Gruppe "Jungsturm" treten weiterhin öffentlich auf. Zuletzt sorgten sie bei einer bulgarischen Hooligan-Feier in Sofia für Aufsehen. Videos zeigen sie auf der Bühne, einige zeigen den "Hitlergruß". Experten warnen vor der engen Vernetzung rechtsextremer Hooligans. Solche internationalen Strukturen könnten rechtsextreme Gruppen stärken und sie der Kontrolle der deutschen Behörden entziehen.
Eigenen Angaben zufolge gibt es die rechtsextreme Hooligan-Gruppe "Jungsturm Erfurt" nicht mehr - doch ihre Mitglieder treten weiterhin öffentlich auf. Bei einer Jubiläumsfeier der Ultras und Hooligans von ZSKA Sofia waren Thüringer Hooligans präsent und sorgten mit fragwürdigen Verhaltensweisen für Aufmerksamkeit.
In der bulgarischen Fußballszene gibt es keine klare Trennung zwischen Ultras und Hooligans. Während Ultras in Deutschland vor allem durch lautstarke Unterstützung und aufwendige Choreografien auffallen, sind Hooligans gezielt gewaltsuchend.
Neben Stickern, die sich in verschiedenen Thüringer Städten finden lassen, belegen Fotos eine enge Hooligan-Freundschaft zwischen Fans des FC Rot-Weiß Erfurt und ZSKA Sofia. Aufkleber finden sich auch vom "Fightclub: Riot Sport Crew".
So ist zu vermuten, dass Mitglieder des "Jungsturm" jetzt häufiger unter diesem Namen auftreten. Bei rechtsextremen Kampfveranstaltungen in der Vergangenheit traten die Mitglieder schon unter diesem Namen an.
Hooligan-Treffen in Sofia mit Thüringer Beteiligung
Mitglieder der Erfurter Hooligan-Gruppe "Jungsturm" waren am 2. März beim Stadtderby zwischen ZSKA Sofia und Lewski Sofia zu Gast. Im Anschluss gab es eine 35-Jahrfeier der aktiven Fanszene des ZSKA Sofia. Als die Erfurter Gruppe nach ihrem Auftritt die Bühne verließ, zeigten einige den in Deutschland verbotenen "Hitlergruß".
Im Hintergrund prangte ein Logo für "35 Jahre Fanclub Sektor G" der ZSKA Sofia-Hooligans. Daneben unter anderem die Logos des AC Milan und des FC Rot-Weiß Erfurt. Die Veranstaltung wurde live gestreamt und war öffentlich auf einem bulgarischen Sportkanal einsehbar. Das Video wurde mittlerweile aus dem Netz gelöscht.
Juristische Grauzone: Staatsanwaltschaft prüft strafrechtliche Relevanz
Die Staatsanwaltschaft Erfurt sieht den Vorfall nicht als klassisches Inlandsdelikt, da das Tatgeschehen im Ausland stattfand. Allerdings könnte durch die öffentliche Wahrnehmbarkeit des Videos auf Youtube eine Strafbarkeit gegeben sein.
"Aufgrund einer öffentlichen Verbreitung im Internet könnte eine strafrechtliche Relevanz bestehen", teilte die Staatsanwaltschaft Erfurt mit.
Mitglied bestreitet Vorwürfe
Robin B., der nach MDR-Informationen bei der Feier in Sofia anwesend war, weist die Vorwürfe zurück. "Der Sachverhalt, dass auf einem Video (was mir nicht bekannt ist) angeblich zielgerichtet der Hitlergruß gezeigt wurde, ist mir neu und entspricht nicht der Wahrheit“, so B. schriftlich.
In einer weiteren Nachricht stellte Robin B. klar, dass es aus seiner Sicht keine aktive Struktur des "Jungsturm" mehr gebe: "Den Jungsturm gibt es seit der Verurteilung im Jahr 2021 NICHT mehr und es gibt auch KEINE weitere aktive Struktur!"
Weiter schreibt B. von "falschen Verdächtigungen und Fehlinformationen", die angeblich verbreitet würden. "Man sollte sich gut überlegen, wie man mit falschen Informationen umgeht, diese verbreitet und somit jemandem eine Straftat unterstellt."
Ehemalige Sportler und Sicherheitskräfte in der Hooliganszene
Robin B. wurde 2021 im Revisionsprozess gegen die "Jungsturm"-Gruppe wegen brutalen Angriffen auf gegnerische Fans und illegale Kämpfe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Als Anführer und Sprecher der Gruppe sprach Marco K. auf der Bühne in Sofia. Er agierte auch schon bei den Derby-Ausschreitungen im März 2024 in Jena als Organisator und Kopf der Gruppe. Auch auf der Bühne in Sofia waren Thomas H. und Johann W.
H. arbeitet für eine Securityfirma und ist regelmäßig als Ordner in Fußballstadien eingeteilt. W. galt einst als vielversprechendes Basketballtalent.
FC Rot-Weiß Erfurt distanziert sich
Der FC Rot-Weiß Erfurt distanziert sich von den Vorfällen und betont, dass die beteiligten Personen keine Mitglieder des Vereins seien und Konsequenzen bereits gezogen wurden. "Bei Vergehen dieser Art sind wir angehalten, auf diese auch mit Maßnahmen wie zum Beispiel Hausverboten zu reagieren", heißt es von Vereinsseite.
Auf die Nachfrage, ab wann es für die Personen, die in Sofia den "Hitlergruß" gezeigt hätten ein Hausverbot geben könnte, äußerte sich der Fußballclub nicht mehr.
Die Erfurter Ultra-Szene wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorfällen der Hooligans in Sofia äußern. Nach aktuellem Kenntnisstand bestehen jedoch keine Verbindungen zwischen den Ultras und der Hooligan-Gruppe "Jungsturm".

Sticker als Zeichen der Fanfreundschaft zwischen Hooligans des FC Rot-Weiß Erfurt und ZSKA Sofia.
Seit 2019 sind Hooligans aus der Fankurve des FC Rot-Weiß Erfurt verbannt. In einem Interview mit dem Szenemagazin "Erlebnis Fußball" (01/2025) betonen die Erfurter Ultras, dass sie jegliche politischen Einflüsse - in beide Richtungen - aus dem Stadion fernhalten wollen. Zudem schützten sie nach den Ermittlungen gegen "Jungsturm"-Mitglieder bewusst "ihre Kurve", wodurch die Gruppe nicht mehr Teil der Steigerwaldkurve ist.
Neonazi-Hooligans und ihre Verbindung nach Bulgarien
Der MDR hatte schon früher über die Verbindung der Thüringer Hooligans nach Bulgarien berichtet. So zeigen Fotos "Jungsturm"-Mitglieder gemeinsam mit den bulgarischen Neonazis, darunter Orlin P.. Er soll einer der wichtigsten Kontaktmänner für die Thüringer sein.

"Sofia Erfurt": Eine Fahne hängt als Zeichen der Freundschaft mancher Fans über dem Banner der Hooligan-Gruppe "Kategorie Erfurt". Die Hooligans von Erfurt traten schon früher unter dem Namen "Kategorie EF" im Stadion auf und tuen dies auch jetzt wieder.
Rechtsextreme Hooligans vernetzen sich international
Felix Steiner von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen bewertet die enge Verbindung zwischen Jungsturm" und der bulgarischen Hooligangruppe "Animals" als hochproblematisch.
"Die Freundschaft mit einem Teil der Fußball-Fanszene in Sofia ist von großer Bedeutung. Seit vielen Jahren gibt es gegenseitige Besuche aus Sofia in Thüringen oder von Personen aus den Netzwerken des Jungsturm in Sofia. Der jetzige Besuch zum Jubiläum in Sofia zeigt die Wichtigkeit dieser Verbindung“, erklärt Steiner. Dabei spiele nicht nur der Fußball eine Rolle, sondern auch die neonazistische Ideologie, die beide Gruppen verbinde.

Fotos dokumentieren die rechtsextreme Einstellung der ZSKA-Sofia-Hooligans.
Zum einen führen solche Netzwerke zumeist zur Stärkung der Szene insgesamt. So zeigen die Gruppen dann durch gegenseitige Besuche deutliche Präsenz in den Stadien. Zum anderen können extrem rechte Gruppierungen im Ausland agieren und geraten damit aus dem Sichtfeld der deutschen Behörden. Felix Steiner | Mobile Beratung in Thüringen
Steiner ordnet die "Animals" als klar rechtsextrem ein: "Unserer Einschätzung nach handelt es sich hier zu einem großen Teil um knallharte Neonazis. Dies ist nicht nur am Auftreten der 'Animals' insgesamt zu sehen, sondern wird auch durch das nun öffentlich gewordene Video deutlich."
Besonders bedenklich sei, dass solche internationalen Netzwerke extrem rechte Hooligans stärken und ihnen neue Rückzugsräume bieten.
"Zum einen führen solche Netzwerke zumeist zur Stärkung der Szene insgesamt", sagt Steiner. "So zeigen die Gruppen dann durch gegenseitige Besuche deutliche Präsenz in den Stadien. Zum anderen können extrem rechte Gruppierungen im Ausland agieren und geraten damit aus dem Sichtfeld der deutschen Behörden.“
MDR