Moana Seyfarth-Opel und Jaqueline Schmid

Thüringen Mehr Plätze, mehr Geld: Bewerbungsphase für duales Studium an Regelschulen gestartet

Stand: 02.04.2025 12:23 Uhr

Über 200 Bewerber gab es im vergangenen Jahr für die 50 Plätze im dualen Studium für das Lehramt an Regelschulen. Jetzt ist die Bewerbungsphase fürs kommende Wintersemester an der Universität Erfurt gestartet. Mit mehr Plätzen, mehr Fächern und mehr Geld.

Von Juliane Maier-Lorenz, MDR THÜRINGEN

Im Kampf gegen den Lehrermangel fördert das Land Thüringen die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern an Regelschulen jetzt noch stärker. So bieten das Thüringer Bildungsministerium und die Universität Erfurt nun mehr Plätze im neuen dualen Studiengang für das Lehramt an Regelschulen an.

Wie das Bildungsministerium mitteilte, können sich ab dem neuen Wintersemester 70 statt bisher 50 Studierende zur Lehrkraft an Regelschulen an der Uni Erfurt ausbilden lassen. Seit Anfang April laufen die Bewerbungen.

Eine Broschüre zum dualen Studiengang an der Universität Erfurt

Seit Anfang April kann man sich für das duale Studium an der Uni Erfurt bewerben.

Das Besondere an dem Studiengang: Theorie und Praxis werden eng verzahnt. Bereits ab dem 3. Semester stehen die Studierenden als angehende Lehrkräfte vor der Klasse, absolvieren vorher schon Praktika in ihren Ausbildungsschulen und bekommen während des Studiums eine Vergütung.

"Das ist für mich die perfekte Möglichkeit, um studieren zu können. Meine Familie hat nicht so viel Geld, als dass sie es noch stemmen könnte, für mich das Studium mitzufinanzieren. Und so ist das für mich perfekt", berichtet Jaqueline Schmid, die als eine der ersten den neuen Studiengang in Erfurt studiert.

Meine Familie hat nicht so viel Geld, als dass sie es noch stemmen könnte, für mich das Studium mitzufinanzieren. Und so ist das für mich perfekt. Jaqueline Schmid | Eine der ersten Studierenden des Studienganges

200 Bewerber im Vorjahr auf 50 Plätze - Studierende erhalten dieses Jahr mehr Geld

Seit Herbst vergangenen Jahres ist das möglich. Initiiert von der damals rot-rot-grünen Landesregierung, wurden 50 Ausbildungsplätze geschaffen. Mehr als 200 Bewerber gab es dafür. "Wir haben ganz klar ein Erfolgsmodell entwickelt", ist Thüringens jetziger Bildungsminister Christian Tischner (CDU) überzeugt, der sich zuvor in der Opposition noch kritisch gegenüber dem dualen Studium geäußert hatte.

Zu den 20 zusätzlichen Ausbildungsplätzen wird mit Sport neben Deutsch, Englisch, Mathe sowie Wirtschaftslehre/Technik auch ein neues Fach mit angeboten. Durch eine Tarifsteigerung erhalten die Studierenden zudem mehr Geld, 1.550 Euro in den ersten drei Studienjahren und 1.800 Euro im letzten Studienjahr.

Bildungsminister Christian Tischner (CDU)

Thüringens Bildungsminister Christian Tischner (CDU).

Duales Studium Lehramt für Regelschule
Seit Herbst 2024 wird der duale Studiengang Lehramt für Regelschulen an der Universität Erfurt angeboten. Die Studierenden wählen zwei Fächer aus Mathe, Deutsch, Sport, Englisch und Wirtschaft/Technik aus und studieren zunächst vier Jahre für einen Bachelorabschluss, danach noch ein weiteres für den Master. Anschließend erfolgt ein Jahr Vorbereitungsdienst. Ab dem 3. Semester wechseln sich Ausbildungstage an der Uni und Schule ab. Im Bachelor-Studium erhalten die Studierenden 1.550 Euro, im Master-Studium 1.800 Euro.

Sichere Jobaussichten

"Aus der Regelschule kommen Handwerker, Fliesenleger, Dachdecker - Schüler, die wichtige Berufe in unserer Gesellschaft ergreifen, die jetzt nicht unbedingt mit einem Studium, sondern mit einer Ausbildung verbunden sind. Und ich finde das wichtig, diese Schüler auch auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten", hat sich Moana Seyfahrt-Opel vor einem halben Jahr ganz bewusst dafür entschieden, sich zur Regelschullehrerin ausbilden zu lassen.

Sie und ihre Kommilitonin, Jaqueline Schmid, standen jetzt das erste Mal vor einer Klasse in ihrer Ausbildungsschule in Bad Langensalza (Unstrut-Hainich-Kreis) und Kaulsdorf (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt).

Moana Seyfarth-Opel und Jaqueline Schmid

Zwei der ersten des neuen dualen Studiengangs: Moana Seyfarth-Opel (links) und Jaqueline Schmid.

"Es ist ein komplett anderes Gefühl, ob man als Schüler in dieser Klasse sitzt oder auf einmal vor der Klasse steht und versucht, den Kindern was beizubringen. Das war schon sehr aufregend“, erzählt Moana Seyfarth-Opel. Wer sich für das duale Studium in Thüringen entscheidet, bindet sich nach dem Abschluss für weitere fünf Jahre als Lehrkraft an den Freistaat.

Für die beiden Studentinnen eine sichere Entscheidung, wenn es um ihre berufliche Zukunft geht. "Das hat mich gar nicht abgeschreckt. Ich weiß, woran ich bin, und habe die Sicherheit, dass ich etwas finde", freut sich Jaqueline Schmid. Und dass sie vor allem gefragt ist.

Aus der Regelschule kommen Handwerker, Fliesenleger, Dachdecker - Schüler, die wichtige Berufe in unserer Gesellschaft ergreifen, die jetzt nicht unbedingt mit einem Studium, sondern mit einer Ausbildung verbunden sind. Und ich finde das wichtig, diese Schüler auch auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten. Moana Seyfarth-Opel, Lehramtsstudentin |

Zahl der Regelschullehrer geht seit Jahren zurück

In Thüringen geht die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer an Regelschulen seit Jahren zurück. Im Schuljahr 2016/17 lag sie noch bei knapp 3.900 Pädagogen, im Schuljahr 2022/23 bei etwa 3.400. Aktuell fehlen im Freistaat etwa 300 Lehrerinnen und Lehrer an Regelschulen, vor allem in Süd- und Ostthüringen. Aufgrund des großen Erfolgs überlegt die CDU-Fraktion im Landtag, den dualen Studiengang auch für das Lehramt an Förderschulen anzubieten.

Eine Karte von Thüringen mit der Einteilung in verschiedene Schulamtsbereiche.

Vor allem in Süd- und Ostthüringen fehlen Regelschullehrerinnen und -lehrer.

Der Landtag muss den 20 zusätzlichen Plätzen noch zustimmen. Diese sind jedoch fest im Haushaltsentwurf mit eingeplant. Bis Ende April können sich Interessierte für den dualen Studiengang "Lehramt Regelschule" bewerben. Das erfolgt nicht über die Universität Erfurt, sondern über das Karriereportal des Freistaats Thüringen. Die Bewerbungsgespräche sind dann für Mai/Juni geplant.  

Was sind Regelschulen?
Die Thüringer Regelschulen sind weiterführende Schulen. Das heißt, dass dort Schüler von der fünften bis zur neunten oder bis zur zehnten Klasse unterrichtet werden. Ihnen soll dort eine allgemeine und berufsvorbereitende Bildung vermittelt werden. Die Jugendlichen können an der Regelschule entweder einen Hauptschul-, einen qualifizierten Hauptschul- oder einen Realschulabschluss machen.

Um Bildung in Thüringen dreht sich am Mittwochabend auch die Sendung FAKT IST! aus Erfurt. Die Talk-Gäste und das Publikum diskutieren dabei unter anderem die Pläne zur Schulordnungsreform, die insbesondere Änderungen beim Sitzenbleiben und bei Kopfnoten vorsieht. Die Sendung läuft ab 20:15 Uhr im Livestream auf mdr.de sowie im MDR FERNSEHEN.

MDR (jml)