Der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) im Gespräch mit dem Thüringer Staatskanzleiminister Stefan Gruhner (CDU) und der Thüringer Sozialministerin Katharina Schenk (SPD) nach der Schlussabstimmung zur Feststellung des Landeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2025 in der 15. Plenarsitzung des Thüringer Landtags

Thüringen Mehr Ausgaben und Schulden - Thüringer Landtag beschließt Haushalt für 2025

Stand: 04.04.2025 11:17 Uhr

Das Thüringer Parlament hat den Landeshaushalt für 2025 beschlossen. Es war ein monatelanges Tauziehen um das Zahlenwerk. Nun kann Geld an Kommunen, Vereine und für Investitionen fließen.

Von MDR THÜRINGEN

Der Thüringer Landtag hat den Haushalt für das Jahr 2025 beschlossen. Das Parlament ermöglicht der Landesregierung in diesem Jahr Rekordausgaben von 14 Milliarden Euro.

Die Abgeordneten der Regierungskoalition von CDU, BSW und SPD beschlossen den seit Monaten diskutierten Haushalt zusammen mit der oppositionellen Linken im Parlament in Erfurt. Die AfD als größte Landtagsfraktion stimmte geschlossen gegen den Haushalt.

Geld kann fließen - höhere Schulden möglich

Er sieht erstmals seit der Corona-Pandemie wieder die Aufnahme neuer Kredite bis zur Höhe von 313 Millionen Euro vor. Mit dem Haushaltsbeschluss kann gut drei Monate nach Jahresbeginn Geld unter anderem für Investitionen, Projekte, Initiativen und Vereine fließen. Das war während der vorläufigen Haushaltsführung nicht möglich. 

Die Neuverschuldung in dieser Höhe ist möglich durch die Neuberechnung der Schuldenbremse. Mit der Änderung der Schuldenbremse durch den Bund können Kredite zum Ausgleich konjunkturbedingter Steuerausfälle aufgenommen werden.

Wir brauchen Spielräume für Zukunftsprojekte. Katja Wolf | Thüringer Finanzministerin (BSW)

Thüringens Finanzministerin Katja Wolf verteidigte bereits am Donnerstag die Aufnahme von Schulden zur Finanzierung der Landesausgaben in diesem Jahr. "Schulden sind nicht per se etwas Schlechtes", sagte die BSW-Politikerin in der Generalaussprache. "Wir brauchen Spielräume für Zukunftsprojekte", so Wolf. Die Verschuldung des Landes erfolge verfassungskonform. Auch der Bund und einige andere Bundesländer gingen diesen Weg.

Ausgaben steigen um 250 Millionen Euro

Beschlossen wurde der Etat, der noch von der rot-rot-grünen Vorgängerregierung vorgelegt wurde, mit einer Vielzahl von Korrekturen. Die Ausgaben stiegen dadurch um fast 250 Millionen Euro. Kommunen, Bürger und Unternehmen hätten nun Planungssicherheit, hatten Vertreter der Brombeer-Koalition in der Generaldebatte erklärt. 

Bei der Abstimmung über den Haushalt kam es auf die Stimmen der Linken an, um ein Patt im Landtag aufzulösen. Die Brombeer-Koalition verfügt nur über 44 von 88 Sitzen. Sie hatte sich mit der Linken auf einen Kompromiss verständigt. Danach soll es auf Drängen der Linken 2027 ein drittes beitragsfreies Kindergartenjahr in Thüringen geben.

Haushaltsloch von 220 Millionen Euro

Obwohl die Koalition Geld aus einem Ende 2024 geschlossenen Corona-Fonds nutzt, die Schuldentilgung aussetzt und neue Kredite durch die Neuberechnung der Schuldenbremse aufnimmt, hat der beschlossene Haushalt ein größeres Defizit. Das Loch, das im Jahresverlauf von den Ministerien durch Einsparungen oder übrig gebliebene Mittel geschlossen werden soll, hat nach CDU-Angaben ein Volumen von 220 Millionen Euro. 

Überblick: Das steht konkret im Haushalt

Die Reaktionen auf den neuen Haushalt

Die Krankenkasse Barmer in Thüringen hat den Haushaltsbeschluss des Landtags gelobt. Gesundheit sei endlich ein Top-Thema in der Landespolitik, sagte Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk. Das spiegele sich nun auch im Haushalt wider. Es müsse aber bei aller Freude klar sein, dass man am Anfang eines langen Weges stehe. Dieser erfordere Offenheit, gute Kommunikation und auch den Mut, schwierige Entscheidungen zu treffen.

Thüringen nehme viel Geld für die Transformation der Kliniken in die Hand, so Dziuk. Das dürfe aber nicht danach verteilt werden, wer am lautesten um Hilfe ruft. Die Versorgung müsse sinnvoll weiterentwickelt und sichergestellt werden.

Museumsverband mit gemischten Gefühlen

Der Museumsverband Thüringen reagierte sowohl erleichtert als auch besorgt. Es sei gut, dass der Haushalt mit Blick auf die Museen nachjustiert wurde, sagte Präsident Roland Krischke. So läge die Projektförderung wieder beim Niveau des vergangenen Jahres und nicht, wie im vorläufigen Haushalt der früheren Landesregierung vorgesehen, bei etwa einem Viertel.

Die Museen könnten so Sonderausstellungen realisieren und aktuelle Themen aufgreifen. Dennoch bleibe ein bitterer Nachgeschmack. In diesem Jahr seien kaum Investitionen in die Museen möglich. Diese Mittel seien um 60 Prozent gekürzt worden, so Krischke. Er nannte das "besorgniserregend". Ohne die dringend nötigen Investitionen verlören die Museen an Qualität, langfristig drohe ein Verlust an gesellschaftlicher Bedeutung.

So lief die Generalaussprache zum Haushalt am Donnerstag

dpa/MDR (kuk/dst)