
Thüringen Ciao Willi! Nach über 40 Jahren geht Apoldas beliebtester Busfahrer in den Ruhestand
Ein letztes Mal den Blinker setzen. Ein letztes Mal eine Runde auf dem Hof der Personenverkehrsgesellschaft (PVG) in Apolda drehen. Laut hupend fährt Peter Wielicki mit seinem Bus im Flurstedter Marktweg ein. Nach über 40 Jahren hinterm Steuer geht "Willi", wie ihn alle kennen und nennen, in den Ruhestand.
Abschiedsfeier für Busfahrer Willi
"Ich hab's doch gern gemacht", sagt Peter Wielicki noch beim Aussteigen, bevor er unterm Regen der Konfetti-Kanonen verschwindet. Empfangen wird Willi von Kollegen, ehemaligen Weggefährten und seiner Chefin. Ines Riemann überreicht einen großen Präsentkorb. "Wir werden dich vermissen. Du warst so zuverlässig und fast nie krank. Warst ein sehr guter Mann."
Er war immer für einen Spaß zu haben. Fahrgast über Busfahrer Willi |
Das sagen auch die Fahrgäste, die Willi auf seiner letzten Runde begleiten. "Er war immer für einen Spaß zu haben" und "Der Plausch mit ihm wird fehlen. Er ist schon ein Original", sagen sie. Manche haben Geschenke mitgebracht. Es hat sich herumgesprochen, dass Willi seinen Ruhestand antritt.

Chefin Ines Riemann und ein Kollege gratulieren Busfahrer Peter Wielicki zum Ruhestand.
Dafür gibt's Pralinen und den einen oder anderen Händedruck. "Da kann ich mir auch eine Träne nicht verkneifen." Willi ist gerührt. Fast 41 Jahre hat er die Menschen in Apolda sicher an ihr Ziel gebracht - zum Einkauf oder in die Arztpraxen. Willi kennt sie und ihre Geschichten, hat Generationen aufwachsen sehen.
Traumberuf Busfahrer
Schon als Kind wollte Peter Wielicki Busfahrer werden. Er ging zum Kraftverkehr und setzte sich erst einmal hinter das Steuer eines Lasters. So war die Regel. Bevor Personen befördert werden durften, musste man große Lkw lenken können.

Kollegen und Geschäftsführerin Ines Riemann überraschen Peter Wielicki nach seiner letzten Tour.
1984 ging er zum VEB Kraftverkehr Weimar und arbeitete im Betriebsteil Apolda. Er brachte Arbeiter frühmorgens 5 Uhr zu Schichtbeginn in die Strickfabriken und holte sie nach Feierabend wieder ab. Es waren lange Tage im geteilten Dienst, doch Willi beschwerte sich nicht.
Ich kenne hier jeden Winkel und jedes Schlagloch. Stadtbuslinie zu fahren ist nichts für Jedermann. Da brauchst Du echt gute Nerven, bei dem Verkehr. Busfahrer Willi |
Sein Bus war ein Ikarus-Modell. Rumplig, zäh, aber zuverlässig und nicht zu vergleichen mit dem Bus-Komfort und gefederten Sitzen von heute. Runde um Runde, Woche um Woche und schließlich Jahr um Jahr tourte Willi durch Apolda. "Ich kenne hier jeden Winkel und jedes Schlagloch. Stadtbuslinie zu fahren ist nichts für Jedermann. Da brauchst Du echt gute Nerven, bei dem Verkehr."

Busfahrer Willi war fast 40 Jahre im Dienst. Seine Chefin Ines Riemann überreicht ihm zum Abschied einen Präsentkorb.
Willi hat Nerven wie Drahtseile. Auch wenn alle Ampeln rot sind und die anderen Autofahrer ungehalten, bringt es ihn nicht aus der Ruhe. "Willi ist trotzdem immer freundlich geblieben", sagt ein Fahrgast. "Aber fluchen durfte ich auch schon. Gehört ja schließlich dazu", ergänzt Willi.
In den Ruhestand mit 70
Willi wird fehlen, aber für ihn ist es an der Zeit, aufzuhören. "Ich bin jetzt 70 und mein Bus-Beförderungsschein läuft bald aus. Ich hätte ihn für fünf Jahre verlängern lassen können, aber nein. Jetzt geht's in den Ruhestand."
Willi - morgen kannst Du erst einmal ausschlafen! Kollege von Busfahrer Willi |
Ob Wehmut oder Freude überwiegen? Peter Wielicki kann es nicht sagen. "Es ist beides. Ich freue mich schon auf das, was da jetzt kommt und ich bin ja nicht aus der Welt." Jetzt will er den Ratschlag eines ehemaligen Kollegen beherzigen, der sagt: "Willi - morgen kannst Du erst einmal ausschlafen!"
MDR (cma/caf)