Ein Angler steht vor der untergehenden Sonne in der Ostsee.

Schleswig-Holstein Angeln in SH: Das Wichtigste zu Angelschein, Kosten und Regeln

Stand: 04.04.2025 14:12 Uhr

Angeln ist im Norden sehr beliebt: In Schleswig-Holstein werden jährlich gut 4.000 Fischereiprüfungen abgelegt. Hier gibt es alles Wissenswerte, um die Erlaubnis zum Angeln zu bekommen.

Von Samir Chawki

Das Prozedere ist meist das gleiche: Köder an die Sehne, Rute aus und auf einen Fisch hoffen. Es ist eine Bewegung, die derzeit wohl so oft wie nie zu vor an den Gewässern in Schleswig-Holstein ausgeführt wird. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten oder Hobbys interessieren sich immer mehr Menschen fürs Angeln.

Angel-Anfänger auch häufig Kinder und Jugendliche

Unter den "Neuen" beim Angeln sind auch immer mehr Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Mitglieder im Landesangelverband ist so hoch wie nie zu vor: Die Vereinigung von 330 Angelvereinen und 13 Kreisverbänden hat derzeit mehr als 43.000 Mitglieder, vor zehn Jahren waren es noch um die 35.000 organisierte Angler. Die Zahl der Vereinsmitglieder wächst also - und die während Corona angestiegene Zahl der Fischereischeinprüfungen bleibt auf einem konstant hohen Level: Seit 2020 legen sie in Schleswig-Holstein jährlich etwa 4.000 Menschen ab.

Ein Junge bereitet den Angelhaken vor.

Viele Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein interessieren sich fürs Angeln.

Der Weg zum Angelschein: Prüfung beim Verband nötig

Wer einen Angelschein - auch Fischereischein genannt - machen will, muss mindestens die Prüfung bei dem Landessportfischerverband Schleswig-Holstein e. V. (LSFV) oder beim Verband der Binnenfischer und Teichwirte Schleswig-Holstein e. V. bestehen. Die von verschiedenen Anbietern durchgeführten Vorbereitungskurse dafür sind kein Muss, es ist auch möglich, sich das Wissen mithilfe von Lehrbüchern und Skripten anzueignen. Das Land bietet zur Vorbereitung die Prüfungsfragen zum Download an.

Prüfung nur in Theorie, Praxistest soll bald kommen

Die Prüfung ist noch rein theoretischer Natur, aber demnächst soll ein praktischer Teil Pflicht werden. Johannes Radtke vom LSFV begrüßt das: "Für uns ist es wichtig, dass in der Praxis vermittelt wird: Wie gehe ich mit dem Fisch um? Wie löse ich einen Haken? Wie töte ich den Fisch schnell und waidgerecht?"

Grundsätzlich gilt: Wer in Schleswig-Holstein die Rute auswerfen möchte, braucht einen gültigen Fischereischein und eine Fischerei-Marke, die für jeweils ein Jahr gilt. Noch gibt es die Marke in Papierform - in Zukunft soll das alles digital über das Smartphone passieren oder zumindest als Scheckkarte funktionieren. Allerdings gibt es mit dem Urlauberfischereischein eine Ausnahme: Denn aktuell können Interessierte in Schleswig-Holstein angeln, ohne irgendeine Ausbildung genossen zu haben - sprich: ohne einen Angelschein zu besitzen.

Ja. Mit dem sogenannten Urlauberfischereischein soll Touristen der kurzfristige Zugang und vielleicht auch erstmalige Kontakt zum Angeln erleichtert werden. Das Land legt aber Wert darauf, dass der Urlauberfischereischein nicht den regulären Fischereischein ersetzen soll oder kann. Kritik daran gibt es dennoch. "Wir sind keine Freunde des Touristenscheins", sagt Johannes Radtke vom LSFV, "wir sind der Meinung, dass diejenigen, die einen Fisch in die Hand kriegen und mit einem lebenden Individuum umgehen, es betäuben und töten sollen, eine Ausbildung brauchen."

  • Die Prüfung für den Angelschein kostet in Schleswig-Holstein aktuell 25 Euro für Erwachsene und 15 Euro für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.
  • Die Preise für die optionalen Vorbereitungskurse variieren und können zwischen 50 und 100 Euro liegen.
  • Die notwendige Jahres-Fischereimarke kostet 10 Euro.
  • Erlaubnisscheine für die meisten Binnengewässer kosten ebenfalls, für den Ratzeburger See beispielsweise 10 Euro/Tag, 50 Euro/Woche und 200 Euro/Jahr. Die Kosten können beim Fischereirechtsinhaber des jeweiligen Gewässers erfragt werden.
  • Den Urlauberfischereischein gibt es für 20 Euro (Ausstellungskosten und Fischereiabgabe jeweils 10 Euro), eine Verlängerung kostet weitere 10 Euro - mit dieser Ausnahmegenehmigung darf man 28 Tage lang in den freien Gewässern angeln, Erlaubnisscheine müssen zusätzlich erworben werden.

Nach dem Bezahlen der jährlichen Fischereiabgabe dürfen Begeisterte mit Angel- oder Urlauberfischereischein an den Küstengewässern Nordsee und der Ostsee den Köder ins Wasser werfen. Gleiches gilt auch an bestimmten Abschnitten von sechs Flüssen in Schleswig-Holstein, die auf der Webseite der Landesregierung genau aufgeführt sind. Wer an Seen oder an den großen Kanälen angeln möchte, benötigt in der Regel noch einen Erlaubnisschein für das jeweilige Gewässer. Diese können bei den jeweiligen Fischereirechtsinhabern - also bei Berufsfischern oder Angelvereinen - erworben werden, sind aber Personen gebunden und müssen schriftlich vorliegen.

Wer seinen Angelschein in einem Verein macht und diesem beitritt, hat in der Regel viele Vorteile. Die meisten Vereine haben eigene Gewässer, an denen man mit Gleichgesinnten seinem Hobby frönen kann. Dazu gibt es Vergünstigungen auf Jahreskarten für Gewässer und oft auch Fortbildungen. Die meisten organisierten Angler kümmern sich um ihre Gewässer, setzen sich aktiv für Umweltschutz ein und kümmern sich um Fischbesatz.

Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.04.2025 | 08:00 Uhr