
Schleswig-Holstein "Junge Alternative" aufgelöst: Was folgt daraus für die AfD in SH?
Die rechtsextreme "Junge Alternative" ist Geschichte. Eine neue, parteiinterne Jugendorganisation soll den Nachwuchs enger an die AfD binden. Rückt die Partei in Schleswig-Holstein dadurch weiter nach rechts?
Mit Wirkung zum 31.03.2025 hat sich die AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" (JA) aufgelöst. Die Auflösung geht zurück auf einen AfD-Parteitagsbeschluss im Januar. Dieser sieht vor, den bisher weitgehend eigenständigen Verein durch eine neue Organisation zu ersetzen, die eng an die Mutterpartei gebunden ist. Das ermöglicht der AfD-Spitze unter anderem mehr Kontrolle über die Parteijugend. Experten rechnen dennoch nicht mit einer Mäßigung.
Ein strategisches Manöver?
Im April 2023 stufte das Bundesamt für Verfassungsschutz die "Junge Alternative" als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein. Die JA propagiere ein völkisches Gesellschaftskonzept, so der Verfassungsschutz. Staatsangehörige mit Migrationshintergrund würden als Deutsche zweiter Klasse abgewertet. Eben dieses Volksverständnis stehe im Widerspruch zum Grundgesetz. Laut Lasse von Bargen vom Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein vertreten auch führende Funktionäre der JA in Schleswig-Holstein entsprechende Positionen.

Rechtsextremismus-Experte Lasse von Bargen sieht die Junge Alternative (JA) auch in Schleswig-Holstein als festen Bestandteil der extremen Rechten.
Er sieht die Neustrukturierung der AfD-Jugend als strategisches Vorgehen: "Ich sehe da tatsächlich vor allen Dingen ein strategisches Manöver, was damit zu tun hat, dass sich Parteien oder parteinahe Strukturen nicht so ohne Weiteres verbieten lassen." Eine parteiinterne Organisation sei juristisch deutlich besser vor einem möglichen Verbot geschützt, als ein unabhängiger Verein.
Mehr Kontrolle durch die Mutterpartei?
Ein weiterer, möglicher Beweggrund für die AfD: mehr Kontrolle über ihre Parteijugend. Bisher war die Jugendorganisation rechtlich gesehen als Verein ein von der Partei losgelöstes Konstrukt. Der Parteivorstand konnte auch bei harten Verfehlungen nicht durchgreifen und weder Sanktionen verhängen noch Mitglieder ausschließen.
Dass das in Zukunft der Fall sein wird, sei allerdings nicht zu erwarten: "Es geht dabei meines Erachtens nicht darum, besonders radikale oder rechtsextreme Personen und Bestrebungen außen vor zu halten, sondern eher, zu gucken, wer äußert sich eigentlich öffentlich", so von Bargen.
Rückhalt von der Parteispitze in SH
Die Junge Alternative in Schleswig-Holstein fand das anfangs überhaupt nicht in Ordnung. Sie hatte gefordert, den Antrag das Bundesvorstands abzulehnen. Und sie sprach auf X von einem "Dolchstoß." Inzwischen ist der Post gelöscht. Auf dem Account ist inzwischen die Rede von einem "Beginn einer neuen Ära."
Rückendeckung kommt von der Parteispitze. Zwischen die AfD und ihre Jugendorganisation passe "kein Blatt" so der AfD-Landesvorsitzende Kurt Kleinschmidt. "Die sollen das gerne so beibehalten", sagt er auf die Frage nach Mäßigung. Ein strengeres Prozedere bei der Aufnahme in die Partei soll es "nur weil jemand in der Jungen Alternative war" nicht geben, so Kleinschmidt. Die Jugend dürfte künftig eine stärkere Stimme haben, sagt er. Gerade auch bei Parteitagen.
Jugend will stärker in die Partei hineinwirken
Kevin Dorow, bisher Mitglied der Jungen Alternative, organisiert die Umwandlung der Jugendorganisation im AfD-Landesverband Schleswig-Holstein. Die JA hatte dort zuletzt 120 Mitglieder, von denen nach eigenen Angaben rund 70 Prozent bereits AfD-Mitglieder sind. Der künftigen Jugendorganisation können - mit Ausnahme der unter 16-Jährigen - nur AfD-Mitglieder angehören und alle AfD-Mitglieder unter 36 Jahren sollen Teil der Jugendorganisation werden. Dorow erwartet, dass die Mitgliederzahlen der Parteijugend steigen. Das Ziel der Jugend sei es, künftig noch stärker in die Partei hineinzuwirken.

Die Junge Alternative soll nach seiner Meinung weiter provozieren: AfD-Vorstandsmitglied Kevin Dorow.
Die Nachwuchsorganisation soll so weiterarbeiten wie bisher: Auf Social Media zeigte sich die JA bei Kampfsporttrainings im Freien oder bei Wanderungen mit Deutschlandflaggen. Diese Aktivitäten sollen die "Kameradschaft fördern", erklärt Dorow. Die AfD hat für diese Nachwuchsförderung künftig mehr Geld eingeplant.
"Einen dezidiert rechten Kurs fahren"
Laut dem Rechtsextremismus-Experten Lasse von Bargen hat sich die Junge Alternative "als ja fester Bestandteil der extremen Rechten auch in Schleswig-Holstein" gezeigt. Das Auftreten der AfD Jugend nehme er als zunehmend vehement und selbstbewusst wahr.
Dorow sieht die Junge Alternative nicht als rechtsextrem an. Die bundesweite Einstufung durch den Verfassungsschutz bezeichnet er als politisch motiviert. Der JA sei es allerdings wichtig, einen "dezidiert rechten Kurs" zu fahren. Und genau so soll sie aus seiner Sicht in die Mutterpartei hineinwirken.
Rechtsextreme Inhalte normalisieren
Aber was heißt "rechts"? Dorow sagt: "Bedingungslos Politik für das deutsche Volk zu machen." Auch auf seinem TikTok Kanal verbreitet er völkische Thesen über den Erhalt des "ethnisch" deutsche Volkes.
Von Bargen beobachte, dass mit Aussagen wie diesen versucht wird, den öffentlichen Raum "soweit einzustimmen, dass rechtsextreme Inhalte normal sind, dass rechtsextreme Sprüche und Haltungen akzeptabel sind." Zu dieser Strategie trage auch in Schleswig-Holstein die Junge Alternative einen wesentlichen Anteil bei.
Politikwissenschaftler: Keine Mäßigung zu erwarten
Aus Sicht des Kieler Politikwissenschaftlers Christian Martin geht es für die AfD um "Schadensbegrenzung." Der Partei könne dieser Schritt juristisch helfen, etwa in einem möglichen Verbotsverfahren. Sie könne dann darauf verweisen, "dass sie ja die extremistischeren Bestrebungen in ihrer Partei und in ihrem Umfeld versucht einzufangen."
Allerdings glaubt Martin nicht, dass die Partei das wirklich vorhat: "Wenn wir uns die Geschichte dieser Partei anschauen, dann ist sie immer nur noch radikaler geworden." Und daran ändere sich auch nichts, wenn die AfD die JA integriert. Im Gegenteil. Politikwissenschaftler Martin meint, dass damit "möglicherweise ein neuer Aktivismus in die Partei reinkommt. Das gilt insbesondere für schwache Landesverbände, wie zum Beispiel den in Schleswig-Holstein."

Der Kieler Politikwissenschaftler Christian Martin erwartet eine weitere Radikalisierung der AfD.
"Schwach" ist die AfD aus Martins Sicht einerseits mit Blick auf die Unterstützung der Wählerinnen und Wähler. Aber auch personell und strukturell. Die "Junge Alternative", meint Martin, könnte die Partei "revitalisieren. Aber eben um den Preis, dass sie noch radikaler wird."
Die nächsten Schritte
Alle AfD-Mitglieder unter 36 Jahren werden laut Parteivorstand zu einem Gründungskongress eingeladen. Dort sollen Statuten beschlossen und ein Name für die Organisation festgelegt werden. Der Bundesvorstand hatte "Patriotische Jugend" vorgeschlagen, doch laut Dorow ist dieser Name bereits verworfen worden. Möglicherweise bleibt sogar "Junge Alternative" bestehen. Bis Ende des Jahres soll die neue Jugendorganisation stehen.
Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Schleswig-Holstein Magazin | 02.04.2025 | 19:30 Uhr