Streikende stehen mit Schildern und Fahnen vor einem Gebäude.

Sachsen-Anhalt Streiktag für "Frauenberufe" – Kundgebungen in Magdeburg und Halle

Stand: 07.03.2025 15:38 Uhr

Gleich viel Geld für Frauen und Männer – für diese Forderung haben die Gewerkschaften Verdi und GEW am Freitag zum Warnstreik aufgerufen. Es gab Kundgebungen in Magdeburg und Halle.

Von MDR SACHSEN-ANHALT

In Sachsen-Anhalt haben mehrere Gewerkschaften Frauen in den Berufen Erziehung, sozialer Arbeit, Pflege und Gesundheit am Freitag zum Warnstreik aufgerufen. Nach Angaben der Gewerkschaften Verdi und Erziehung und Wissenschaft (GEW) war der Aufruf Teil eines bundesweiten "Streiktags".

An einer Kundgebung in Magdeburg beteiligten sich nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT rund 250 Beschäftigte aus Kitas und Horten. Sie forderten unter anderem mehr Lohn. Ebenfalls thematisiert wurde bei dem Protest der Kita-Personalschlüssel. "Dieser Schlüssel ist schon lange nicht mehr betreuungsgerecht", so Verdi-Gewerkschaftssekretär Benjamin Schladitz zu MDR SACHSEN-ANHALT.

Verdi spricht von prekären Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen in Kitas und sozialen Diensten seien "höchst prekär". Anlässlich des Weltfrauentags am Samstag (8.3.) sei es wichtig, den Fokus auf diese weiblich geprägte Branche zu legen. Sie sei strukturell schlecht aufgestellt. Das müsse sich ändern, so Schladitz.

Verdi-Streik zum Equal Pay Day in Magdeburg

Bei der Kundgebung in Magdeburg waren etwa 250 Menschen dabei.

Trotz Warnstreik: Kitas in Magdeburg geöffnet

Die Stadt Magdeburg hatte vorab mitgeteilt, dass trotz des Streikaufrufs alle Kitas in der Landeshauptstadt geöffnet bleiben. In fünf Einrichtungen gab es demnach aber nur eine Notbetreuung.

Verdi-Streik zum Equal Pay Day in Halle

Auch in Halle hat es am Freitag eine Kundgebung gegeben, hier beteiligten sich rund 200 Menschen.

Verdi und GEW fordern mehr Geld

Die Gewerkschaft Verdi verlangt in der aktuellen Tarifrunde für alle kommunalen Beschäftigen eine Lohnerhöhung von acht Prozent oder mindestens 350 Euro mehr pro Monat sowie mehr freie Tage. Die Arbeitgeber hatten das bereits als nicht finanzierbar zurückgewiesen, aber kein eigenes konkretes Angebot vorgelegt.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, dass Frauen besser bezahlt werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert vor dem Hintergrund des internationalen Frauentages am Samstag ebenfalls Lohngleichheit. Wie das Landesbüro Sachsen-Anhalt mitteilte, sollen Frauen auch bei der Rechtsdurchsetzung für gleiche Löhne unterstützt werden. Außerdem fordere man eine flächendeckende Kinderbetreuung und die Förderung von Frauenhäusern.

Arbeitgeberverband: Lohnforderungen "völlig überzogen"

Diana Häseler-Wallwitz vom Kommunalen Arbeitgeberverband Sachsen-Anhalt kritisierte die Warnstreiks. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Forderung von sage und schreibe acht Prozent, aber mindestens 350 Euro mehr, halten wir für völlig überzogen und aus der Zeit gefallen. Gerade in Zeiten, in denen die kommunalen Haushalte unter einer enormen Rekordverschuldung leiden."

Auch die Behauptung der Gewerkschaften, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer, ist laut Häseler-Wallwitz falsch. Gerade im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst würden Frauen überdurchschnittlich viel Geld verdienen.

"Equal Pay Day": Frauen verdienen meist weniger als Männer

Hintergrund der angekündigten Proteste ist der Equal Pay Day am Freitag. Der Aktionstag macht weltweit darauf aufmerksam, dass Frauen zumeist weniger verdienen als Männer.

In Deutschland ist der durchschnittliche Stundenlohn für Frauen demnach 16 Prozent geringer als der von Männern. Zudem sind viele Frauen nach Gewerkschaftsangaben durch Beruf, Haushalt und Pflege von Angehörigen doppelt oder gar dreifach belastet.

MDR (Linus-Benedikt Zosel, Marcel Knop-Schieback, Felix Fahnert, Sören Thümler, Engin Haupt, Kalina Bunk) | Erstmals veröffentlicht am 06.03.2025