
Sachsen Chemnitz: Ausstellung in den Kunstsammlungen zeigt Frei Otto und Kengo Kuma
Das Schaffen von Frei Otto und Kengo Kuma vereint nicht nur die Leidenschaft für innovative Bauten, sondern auch der Sinn für Nachhaltigkeit – das zeigt die Ausstellung "Beyond Geometry" in den Kunstsammlungen Chemnitz, die heute eröffnet wird. Bis zum 29. Juni widmet sich die Schau den Werken der beiden visionären Architekten. Verbunden wird sie mit einer Ausstellung Schneeberger Studierender, die ihre Designentwürfe zeigen und zum Ausprobieren einladen.
- Die Kunstsammlungen Chemnitz widmen sich zwei bedeutenten Architekten in einer aktuellen Ausstellung: Frei Otto und Kengo Kuma.
- Frei Otto wurde in einem Vorort von Chemnitz geboren und war ein visionär nachhaltiger Architekt.
- Kengo Kuma stammt aus Japan und beschäftigt sich ebenfalls mit der Verbindung von Ökologie und Bauwesen.
Dass sich ein Kunstmuseum mit Architektur beschäftigt, kommt nicht alle Tage vor. Die Kunstsammlungen Chemnitz aber widmen sich nun gleich zwei herausragenden Vertretern dieser Gattung: dem Chemnitzer Urgestein Frei Otto sowie dem Japaner Kengo Kuma.

Will die verschiedenen Facetten der Kunst in ihrem Haus zeigen: Florence Thurmes, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz.
Es ist eine Verbindung aus gutem Grund, meint Generaldirektorin Florence Thurmes: "Wir wollen hervorheben, dass wir nicht nur ein Kunstmuseum sind, sondern Kunst in einem erweiterten Sinne präsentieren."
Frei Otto: wichtiger Sohn der Stadt Chemnitz
Hinzu kommt allerdings noch ein wichtiger regionaler Bezug, denn der Architekt Frei Otto gilt als einer der bedeutenden Chemnitzer Protagonisten. Er wurde vor 100 Jahren (am 31. Mai 1925) in Siegmar geboren, das heute zu Chemnitz gehört. Just im Kulturhauptstadtjahr wollten die Chemnitzer Kunstsammlungen natürlich einen Schwerpunkt auf herausragende Künstlerpersönlichkeiten setzen, die in enger Verbindung zu der sächsischen Stadt standen.

Eine der bekanntesten Arbeiten von Frei Otto: die zeltartige Überdachung des Münchener Olympiastadions. Die Konstruktion besteht aus Stahlseilen und Acrylglasplatten.
Wir feiern natürlich sein doppeltes Jubiläum, wollen ihn vor allem aber auch als einen großen Utopisten des 20. Jahrhunderts zeigen. Florence Thurmes | Generaldirektorin der Kunsthallen Chemnitz über Frei Otto
Überregional bekannt wurde Frei Otto vor allem durch sein Mitwirken am Pavillon der Expo 67 in Montreal. Bleibende Spuren hinterließ er ebenso bei der luftigen Überdachung des Münchner Olympiastadions von 1972, wodurch sein Name einen weltweiten Ruf erlangt hat.
Dass sein Schaffen jetzt in Chemnitz gewürdigt wird, kommt nicht von ungefähr, betont Florence Thurmes: "Wir feiern natürlich sein doppeltes Jubiläum, wollen ihn vor allem aber auch als einen großen Utopisten des 20. Jahrhunderts zeigen, auch als eine Figur, die über das Leben der Zukunft nachgedacht hat."

Frei Otto ist bekannt für innovative Bauprojekte – und stammte aus einem Chemnitzer Vorort.
Visionär der Nachhaltigkeit
Ein Motto Frei Ottos soll der Satz "Morgen beginnt heute" gewesen sein. Die ausgestellten Exponate, Zeichnungen und Fotografien unterstreichen diesen Anspruch des Visionärs, nachhaltig zu arbeiten und die Formensprache der Natur aufzugreifen.

Frei Otto experimentierte bereits früh mit luftigen Konstruktionen, die an Zelte erinnern.
Frei Otto habe sich sehr stark an der Grenze zwischen Architektur und Bildender Kunst bewegt, erläutert die aus Luxemburg stammende Hausherrin der Kunstsammlungen, "das ist für unsere Zeit sehr wichtig geworden, auch das Thema der Utopie. Er war zum Beispiel in der Leichtbauweise der Zeit voraus, hat schon mit den ersten Zeltentwürfen in den 1950er-Jahren für Aufsehen gesorgt, etwa auf den Bundesgartenschauen in Köln, Kassel und Berlin."
In seinen späteren Jahren hat sich Frei Otto übrigens auch noch einmal nach Sachsen gewandt und Entwürfe für die umstrittene Dresdner Waldschlößchenbrücke geschaffen, worüber selbst Florence Thurmes ein wenig erstaunt war: "Er war unter den sechs Architekten, die man 2007 für die Jury einlud und hatte sich Gedanken gemacht: Wie kann die Brücke anders positioniert werden?" Seine nun in Chemnitz präsentierten Entwürfe waren wesentlich kleinteiliger als die dann realisierte Lösung, die Dresden den Welterbetitel gekostet hat.

Unter Spannung: Frei Otto machte für seine Entwürfe auch Versuche mit Seifenblasen.
Von Sachsen nach Japan
Die Kunstsammlungen blicken für ihre Sonderausstellung "Beyond Geometry" – hinter oder nach der Geometrie – aus der Region aber auch weit hinaus in die Welt, nach Japan, und setzen Frei Otto in Bezug zum Architekten Kengo Kuma. Das Architekturbüro des 1954 geborenen Meisters hat in mehr als 30 Ländern seine Spuren hinterlassen.
Wie muss man Architektur so zerlegen, dass es nicht ein Monolith ist, sondern von den Menschen wahrgenommen wird? Florence Thurmes | Über Kengo Kumas architektonischen Blick
Prägend für seine Handschrift sind vor allem lichtdurchflutete, von natürlichen Formen geprägte Holzbauten, wie die ausgestellten Exponate beweisen. Florence Thurmes erläutert die Arbeitsweise Kengo Kumas so: "Wie muss man Architektur so zerlegen, dass es nicht ein Monolith ist, sondern von den Menschen wahrgenommen wird?"

Kengo Kumas "Ceramic Cloud" ziert einen Kreisverkehr im italienischen Kleinstadt Casalgrande.
Kengo habe dies in seinen klein proportionierten Modellen und Bauten realisiert: "Er nutzt sehr wenig Schrauben und Stützen, sondern versucht, die Architektur über dieses sehr Gleichmäßige, statisch Ausbalancierte aufzubauen, zu stapeln und einzustecken, dass sie auch ohne funktioniert."
Baustoff Holz vereint Ökologie und Architektur
Zwei Architekten also, zwei Generationen, ein ähnliches Herangehen: der achtsame Umgang mit Ressourcen und ein den Menschen zugewandtes Bauen. Kengo Kuma sei ein sehr großer Fan von Frei Otto gewesen und habe dessen Ideen der Nachhaltigkeit aufgegriffen, betont die Museums-Chefin und hebt die Beschäftigung Kumas mit dem nachwachsendem Rohstoff Holz hervor. Mehrere Modelle spiegeln diesen Einklang von Bau und Natur wider.

Das Nationalstadion in Tokyo ist eines der größten Werke von Kengo Kuma und setzt Holz an prominenter Stelle als Baustoff ein.
Doppelausstellung mit Studierenden aus dem Erzgebirge
Die Schau zu Frei Otto und Kengo Kuma wird mit einer parallelen Ausstellung mit dem Namen "Schneeberger Geflecht" verbunden, die sich den Arbeiten von Studierenden der Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg an der Westsächsischen Hochschule Zwickau widmet.
"Das war uns ein wichtiger Gedanke, beide Ausstellungen zeitgleich zu öffnen und zu schließen, weil man auf der einen Seite natürlich das Thema Architektur hat – und Angewandte Kunst ja etwas ist, das im Raum stattfindet", erklärt Florence Thurmes bei MDR KULTUR: "Wir wollten zeigen, was es hier in der Region gibt, diese tolle Tradition in Schneeberg, die ja wirklich international bekannt ist."

"City in the arctic" – die "Stadt in der Arktis" – ist eines der nicht realisierten Projekte Kengo Kumas.
Möbel und Teppiche werden gezeigt, Kleidung, Instrumente, Technik und Spielzeug – all das wird in Skizzen, Modellen sowie in fertigen Exponaten ausgestellt. Die Ausstellung lädt zum Entdecken und Anschauen, aber auch zum Aus- und Anprobieren ein, denn die Kunstsammlungen haben in Zusammenarbeit mit der Schneeberger Akademie Wert auf Partizipation gelegt. Die Besucher können hier also mitmachen, anfassen, sich ausprobieren.
Mehr zu den Ausstellungen (zum Ausklappen)
Ausstellungen:
"Beyond Geometry. Frei Otto x Kengo Kuma" /
"Schneeberger Geflecht"
3. April bis 29. Juni 2025
Adresse
Kunstsammlungen Chemnitz
Theaterplatz 1
09111 Chemnitz
Öffnungszeiten
Dienstag, Donnerstag–Sonntag, Feiertage: 11–18 Uhr
Mttwoch: 14–21 Uhr
Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Website der Kunstsammlungen Chemnitz.
Redaktionelle Bearbeitung: tis, lm