Pumpen in einem Bergwerk der RAG

Saarland Der Streit um das Grubenwasser

Stand: 02.04.2025 15:17 Uhr

2012 wurde die letzte Grube im Saarland stillgelegt. Die Arbeit unter Tage endete damit nicht. Die Bergbaugesellschaft RAG pumpt seitdem Wasser aus den alten Schächten. Damit würde sie gerne aufhören. Doch dagegen regt sich Widerstand.

Jimmy Both

Mit einem Festakt verabschiedete man sich im Sommer 2012 von der Kohle. Am 30. Juni 2012 endete auf der Grube Duhamel in Ensdorf die letzte Schicht. Es war der Schlusspunkt in der etwa 250-jährigen Geschichte des saarländischen Kohlebergbaus.

Das Erbe des Bergbaus

Verschwunden ist der Bergbau im Saarland damit aber nicht. Bergmannsvereine pflegen weiterhin ihre Traditionen. Vor jedem Heimspiel des 1. FC Saarbrücken ertönt die erste Strophe des Steigerliedes. Und etwa in Landsweiler-Reden oder Velsen kann das, was von den Gruben noch übrig ist, besichtigt werden. Und auch in den alten Schächten tut sich was.

Die Ewigkeitsaufgaben

Die RAG ist gesetzlich dazu verpflichtet, sich um „Ewigkeitsaufgaben“ in den alten Kohlerevieren Saarland, Ruhrgebiet und Ibbenbüren zu kümmern. Dazu gehören die Grubenwasserhaltung und -reinigung. Seit dem Ende des Bergbaus pumpt die RAG versickertes Regenwasser aus den alten Schächten.

Im Saarland soll das nach dem Willen der RAG aber bald beendet werden. Der Konzern will so etwa 20 bis 30 Millionen Euro im Jahr sparen. 2021 hat das Oberbergamt die sogenannte erste Phase genehmigt. In dieser soll das Wasser zunächst auf -320 Meter ansteigen. Bis es diese Höhe erreichen würde, würden etwa drei bis dreieinhalb Jahre vergehen. Anschließend soll das Wasser in Ensdorf aufbereitet und in die Saar geleitet werden. Eine entsprechende Anlage befindet sich im Bau. Doch gegen diesen Plan regt sich Widerstand.

Bergbeben und Wasserqualität

Die Gegner der Grubenflutung haben verschiedene Bedenken. Einige Gemeinden im Saarland haben seit vielen Jahren mit Bergschäden zu kämpfen. In Saarwellingen etwa ist das Bergbeben von 2008 immer noch in Erinnerung. In mehreren Kommunen wird befürchtet, dass es durch eine Teilflutung der Schächte zu einer Veränderung der Tektonik und damit erneut zu Hebungen, Senkungen oder Erschütterung kommt.

Auch die Qualität von Grund- und Oberflächenwasser spielt eine Rolle. Sie könnte sich verschlechtern, wenn das Grubenwasser nicht mehr abgepumpt wird, fürchten einige Bürger und Kommunen.

Erste Klagen abgewiesen

Mehrere Städte und Gemeinden, der Naturschutzverband ProH2O und die Deutsche Bahn klagten vor dem Oberverwaltungsgericht des Saarlandes gegen die Genehmigung der ersten Phase. 2023 wurden die ersten drei Klagen verhandelt und abgewiesen. Die Gemeinde Merchweiler zog noch zum Bundesverwaltungsgericht nach Leipzig, aber unterlag auch dort.

Es waren bisher die letzten Urteile in einer juristischen Auseinandersetzung, die bisher stets zugunsten von RAG und Oberbergamt ablief. Seitdem zogen sich die meisten Kommunen aus den Verfahren zurück. Die RAG und die Bahn nahmen Vergleichsverhandlungen auf. Die Städte und Gemeinden sahen kaum noch Erfolgsaussichten. Stattdessen wollen sie sich auf die zweite Phase des Grubenwasseranstiegs konzentrieren.

Drei Kommunen halten am Widerstand fest

Nur Nalbach, Lebach und Saarwellingen hielten an ihren Klagen fest. Sie wurden im März 2025 vor dem Oberverwaltungsgericht Saarlouis verhandelt. Das Gericht entschied so wie auch schon bei den vorherigen Klagen: Sie wurden abgewiesen und eine Revision nicht zugelassen. Den Kommunen bliebe jetzt noch die Möglichkeit einer Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.

Der vollständige Grubenwasseranstieg

In der aktuellen Auseinandersetzung geht es nur um Phase eins des Grubenwasseranstiegs. In der zweiten Phase soll gar kein Wasser mehr aus den Schächten gepumpt werden. Stattdessen soll es bis zur Oberfläche steigen und dann über Ensdorf gereinigt in die Saar geleitet werden. So zumindest will es die RAG. Bisher gibt es allerdings noch keine Planungen für diese nächste Phase. 

Über dieses Thema haben auch die SR info Nachrichten im Radio am 02.04.2025 berichtet.

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