Archivbild von 2020: Ein Waldstück bei Empt brennt in der Nacht.

Nordrhein-Westfalen Was hilft gegen die Waldbrandgefahr in NRW?

Stand: 04.04.2025 13:05 Uhr

In NRW brennen in diesem Frühling Wälder. Dabei gibt es seit Jahren ein Konzept der Landesregierung zur Vorbeugung von Waldbränden

Von Martin Teigeler, Nicolas Vordonarakis und Rainer Striewski

In diesem Frühling brennen regelmäßig Wälder in Nordrhein-Westfalen. Ob in Straelen, Bergisch Gladbach, Overath, Hagen, Breckerfeld oder Altena - an vielen Orten musste die Feuerwehr ausrücken, um Waldbrände zu bekämpfen. Verschärft wird die Lage durch die sich abzeichnende Dürre.

Der Xantener Förster Marco Müller warnt: Schon eine achtlos weggeworfene Zigarette kann bei trockenen Waldböden schnell zu einem großen Waldbrand führen. "Der Hauptgrund ist das Zigarettenwegwerfen", betont Müller. Der überwiegende Teil aller Waldbrände in Deutschland wird laut Experten von Menschen verursacht.

Reaktion auf verheerende Waldbrände in Ostdeutschland

Innenminister Reul und Landwirtschaftsministerin Gorißen bei der PK im Wald zum Waldbrandvorbeugekonzept

Minister Reul und Gorißen bei der Vorstellung des Konzepts 2022

Als vor einigen Jahren riesige Waldbrände in Brandenburg und Sachsen-Anhalt wüteten, stellte die Landesregierung NRW ihre Maßnahmen zur Waldbrandvorbeugung und Waldbrandbekämpfung vor. Das neue Konzept sah unter anderem Waldbrandschutzstreifen vor, die eine Ausbreitung der Feuer verhindern sollten. Außerdem sollten Löschteiche ausgebaut, Waldwege verbreitert, Früherkennungssysteme installiert und die Kommunikation zwischen Forstmitarbeitern und der Feuerwehr verbessert werden.

60 Seiten umfasste das Papier, das Innenminister Herbert Reul und Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (beide CDU) 2022 vorstellten.

Und was ist seitdem passiert? Die Landesregierung habe eine Menge auf den Weg gebracht, betont Landwirtschaftsministerin Gorißen: "Wir haben neben dem Waldbrandschutzkonzept beispielsweise auch einen 'Fire Fighter' im Sauerland Einsatz, der in der Lage ist, sehr schwieriges Gelände zu erklimmen", so Gorißen. Zudem sei am Niederrhein ein Beobachtungssystem installiert worden, mit dem Waldbrände erkannt werden könnten.

Woran Brandbekämpfung in der Realität scheitert

Dass noch nicht alles Geplante funktioniert, zeigte sich bei einem der aktuellen Brände. Eigentlich sollen mittlerweile auch Flugzeuge und Hubschrauber verstärkt zur Waldbrandbekämpfung eingesetzt werden. Laut Innenminister Reul besitzt NRW schon die Technik, um per Hubschrauber mit Löschkörben Wasser aus Talsperren zu entnehmen. Doch im Fall des Feuers in Breckerfeld und Hagen hatte der Pilot nicht die nötige Genehmigung dafür.

NRW-Landwirtschatsministerin Silke Gorißen (CDU)

Gorißen: "Haben eine Menge auf den Weg gebracht"

Andere Maßnahmen warten noch auf Umsetzung. Waldbrandschutzstreifen etwa wurden seit Konzeptvorstellung im August 2022 keine angelegt. Das sei aufgrund der Vegetation und Bodenbeschaffenheit nicht notwendig gewesen, hieß es Ende Januar aus dem Landwirtschaftsministerium. Dafür hätten aber regelmäßige Übungen die Kommunikation zwischen Feuerwehren und Forstfachleuten vereinfacht.

Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Förstern

"Die Kommunikation klappt besser", bestätigt auch Alexander Held, Fachexperte für Waldbrandschutz. Und gerade das sei sehr wichtig: "Der Förster muss ja auch verstehen, wie Feuerwehr im Einsatz funktioniert." Ebenso müsse der Einsatzleiter der Feuerwehr einen kurzen Draht zum Förster haben - und das auch in Zeiten, in denen nichts passiert. "Die große Kunst ist es, die Kommunikation über die Jahre aufrecht zu erhalten, in denen es nicht brennt", so Held.

Das Grundproblem ist, dass Vegetationsbrand noch kein gesellschaftliches Thema ist.

Alexander Held

Anders als in anderen Bundesländern wie Brandenburg oder Niedersachsen hätte Feuer in NRW noch keine große Rolle gespielt, so Alexander Held. Dabei sei es fahrlässig, das Thema schleifen zu lassen, weil wir mal ein oder zwei Jahre keine Waldbrände hatten. Seiner Vorstellung nach bräuchte NRW ein Brandkompetenzzentrum, "wo die Leute nichts anderes machen."

Private Waldbesitzer wünschen Kostenbeteiligung

Rund 65 Prozent des Waldes in Nordrhein-Westfalen befindet sich in Privatbesitz - so viel wie in keinem anderen Bundesland. Schon bei der Vorstellung des Waldbrandvorbeugekonzepts wies das Landwirtschaftsministerium darauf hin: "Die Umsetzung der Maßnahmen obliegt denen, die den Wald besitzen."

Ein Feuerwehrmann im Einsatz

Schneisen für große Löschfahrzeuge?

Doch die wünschen sich dafür nun mehr Mittel vom Land, etwa um die Waldwege so ausbauen zu können, dass Löschahrzeuge dort fahren können. "Denn die Wege sind die einzige und beste Verteidigungslinie bei ausbrechenden Waldbränden. Und Wegebau ist sehr teuer, so dass viele Waldbesitzer dies allein nicht leisten können", so Eberhard Piest, Betriebsleiter der Gräflich von Spee’schen Forstbetriebe.

Gorißen: "Der Wald braucht unseren Schutz!"

Waldschneisen würden allerdings gar nicht mehr benötigt, dies sei noch vor ein paar Jahren anders eingeschätzt worden, sagt Landwirtschaftsministerin Gorißen. Denn die schnell brennbaren Nadelbäume wie Fichten seien mittlerweile dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Derzeit würden die Wälder eher mit Laubbäumen aufgepflanzt.

Grund für Entwarnung gebe es aber nicht, betont Gorißen. Sei es das falsch abgestellte Auto, die weggeworfene Zigarette oder das verbotene Grillen: "Wir sehen, dass die Waldbrände nahezu alle vom Menschen gemacht sind", so die Landwirtschaftsministerin. Meist seien es unvorsichtige Waldbesucher. An die richtet sie denn auch ihren Appell: "Bitte keinen Unsinn machen, der Wald braucht unseren Schutz!"

Über dieses Thema berichten wir am 04.03.2025 u.a. im WDR Fernsehen in der Aktuellen Stunde ab 18:45 Uhr.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen
  • Gespräch mit Alexander Held
  • Mitteilung der Gräflich von Spee’sche Forstbetriebe
  • Förster Marco Müller in der Lokalzeit aus Duisburg