Großraumbüro

Nordrhein-Westfalen Große Mehrheit macht laut Studie nur Dienst nach Vorschrift

Stand: 13.03.2025 19:49 Uhr

Hochmotiviert im Job ist einer aktuellen Studie zufolge nur eine Minderheit. Die allermeisten machen Dienst nach Vorschrift.

Seit fast 25 Jahren führt das Institut Gallup seinen Engagement-Index für Deutschland durch, aber noch nie sind die Macher von den Ergebnissen so überrascht gewesen wie dieses Jahr. Denn laut Gallup ist die Zahl der Beschäftigten, die mit geringer emotionaler Bindung zur Arbeit geht, auf einem Rekordstand. Das bedeutet: "Dementsprechend ist Dienst nach Vorschrift weit verbreitet."

Dienst nach Vorschrift: Willkommen im Land der Lustlosen

In Zahlen heißt das: Der Anteil der Menschen, die emotional an ihren Arbeitgeber hochgradig gebunden sind, ist laut der Studie auf ein Tief von neun Prozent eingebrochen. 2023 waren es noch 14 Prozent.

Nur noch die Hälfte der Beschäftigten wolle mehr als ein Jahr beim aktuellen Arbeitgeber bleiben, nur etwas mehr als ein Drittel wolle mehr als drei Jahre bleiben. Dienst nach Vorschrift machen inzwischen der Studie zufolge 78 Prozent der Arbeitnehmer. 2023 lag dieser Anteil noch bei 67 Prozent. 

Für die Gallup-Studie, die seit 2001 erstellt wird, wurden im November und Dezember rund 1.700 Beschäftigte telefonisch befragt. Die Ergebnisse sind nach Angaben des Unternehmens repräsentativ.

Gallup: Politik und Wirtschaft im permanenten Krisenmodus

Ein Erklärungsansatz von Gallup: "Politik und Wirtschaft sind im permanenten Krisenmodus. Die Konjunktur stottert, Auftragsbücher sind nicht gefüllt, der Export schwächelt, Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, zahlreiche namhafte Firmen haben bereits Stellen gestrichen, hohe Energiekosten machen Betrieben zu schaffen – und die Inflation wirkt sich auf den Konsum aus." Bisher hätten die Beschäftigten in Deutschland darauf "bemerkenswert widerstandsfähig" reagiert. Doch möglicherweise wirkten sich die Folgen nun doch auf die Stimmung und die Wahrnehmung der eigenen Realität aus.

Ganz ähnlich sieht das der Psychologe Stephan Grünewald, Leiter des Kölner Rheingold-Instituts. Es gebe gerade "alles andere als eine produktive Aufbruchsstimmung". Die Zuversicht in die Zukunft verschwinde.

"Die Menschen sind eher in einer Art Endzeitstimmung", sagt Grünewald. Sie wollten die letzten Monate oder Jahre, "die uns noch in der alten Wirklichkeit bleiben, halbwegs geruhsam, aber auch gesichert zu Ende bringen."

Psychologe: Rückzug ins "private Schneckenhaus" - Homeoffice reduziert Bindung an Unternehmen

Psychologe Stephan Grünewald, Leiter des Kölner Rheingold-Instituts

Psychologe Stephan Grünewald

Und das habe Auswirkungen auf die Motivation im Job. "Wir erleben seit Jahren krisenbedingt einen Rückzug ins private Schneckenhaus und auch ins Homeoffice", sagt der Psychologe WDR. Das Homeoffice sei zwar bequem und produktiv, es zersetze aber Teamstrukturen und sorge dafür, dass die Bindung ans Unternehmen nicht so groß sei.

Ein Motivationskiller mit Blick aufs Arbeiten ist laut Grünewald auch die marode Infrastruktur. "Die Menschen erleben das als Alltags-Sabotage, wenn die Bahn nicht fährt, wenn die Kita streikt, wenn in der Schule Unterricht ausfällt." Dann habe man nicht die Kapazität, um seiner Arbeit nachzugehen.

Um all dem entgegenzuwirken, sollten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Wertschätzung zeigen, meint Psychologe Grünewald. Sie sollten das Gefühl geben, gesehen zu werden. Wichtig sei auch eine Arbeit, die befriedigend sei und am Ende des Tages das Gefühl gebe, etwas geleistet zu haben.

Unsere Quellen:

Über dieses Thema berichten wir im WDR am 13.03.2025 auch im Fernsehen: WDR aktuell, ab 21.45 Uhr.