
Nordrhein-Westfalen "Equal Pay Day": Warnstreiks in zahlreichen Kitas und Kliniken in NRW
Geschlossene Kitas, stillstehende Hilfetelefone, streikendes Pflegepersonal: Mit Arbeitsniederlegungen in häufig von Frauen ausgeführten Berufen des öffentlichen Dienstes wollte die Gewerkschaft Verdi am Freitag in zahlreichen NRW-Städten ein Zeichen für mehr Lohngerechtigkeit für Frauen setzen.
Zahlreiche Verdi-Bezirke, darunter die in vielen Ruhrgebietsstädten, aber auch Köln, Bonn, Leverkusen sowie Westfalen, das Münsterland und Südwestfalen wollten sich dem bundesweiten Aufruf zum "Equal Pay Day" anschließen. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW rief ihre Mitglieder in den Kitas auf, sich am Streik zu beteiligen.
Allein in einer der Essener Innenstadt nahmen nach WDR-Informationen etwa 2.000 Menschen an einer Demo teil, darunter viele Frauen. Der Platz wurde schon vor Beginn des Protestzugs wegen Überfüllung geschlossen. Der Demonstrationszug startete um 10.30 Uhr in Richtung DGB-Haus.
Kaum Zeit zum Essen und "immer in Bereitschaft"
Den Demonstrierenden ging es auch um die Arbeitsbelastung in Kliniken und Kitas. Eine Krankenschwester aus der psychiatrischen LVR Klinik in Essen berichtete von ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. "Viele Sachen nehmen einen bei der Arbeit mit", sagte sie. Sie forderte, dass die Wechselschichtzulagen erhöht werden müssten. Auch die Pausen sollten nicht mehr zur Arbeitszeit zählen. Sie berichtet außerdem, dass viele ihrer Kolleginnen und Kollegen wegen des Arbeitsdrucks kaum Zeit zum Essen fänden. Oft reiche es "nur für eine Stulle". Man sei letztendlich "immer in Bereitschaft".
Lara, 28 Jahre alt und Erzieherin in einem Kindergarten in Bochum, fordert mehr Lohn und mehr Urlaubstage:
Wir arbeiten meist unterbesetzt wegen Krankheit oder unbesetzter Stellen. Am Ende kommen die Kinder zu kurz. Wir können nicht so fördern, wie wir es gern würden.
Lara, Kita-Erzieherin in Bochum
Verdi: Frauen für unverzichtbare Arbeit besser entlohnen
Der Aktionstag sollte mit Demos wie in Essen auf die bestehenden Entgeltungleichheiten zwischen Frauen und Männern aufmerksam machen. Im öffentlichen Dienst arbeiten in der Pflege, in Kitas und in der Sozialarbeit den Gewerkschaftsangaben zufolge mehrheitlich Frauen.

Luftballon mit Aufschrift Equal Pay Day
"Das Leben der Beschäftigten ist oft durch Doppelt- und Dreifachbelastungen geprägt. Neben der Arbeit müssen die eigenen Kinder versorgt und Angehörige gepflegt werden", sagt die Vize-Verdi-Vorsitzende Christine Behle laut Mitteilung. "Es ist an der Zeit, dass Frauen für ihre unverzichtbare Arbeit gerecht entlohnt werden."
Das Motto einer in Dortmund geplanten Kundgebung brachte die Botschaft auf den Punkt: "Die Welt steht still, wenn wir die Arbeit niederlegen." Bei einer weiteren großen Kundgebung in Köln erwartete Verdi mehrere Tausend Teilnehmer. Auch in Essen, Duisburg und Gütersloh waren Demonstrationen geplant.
Tarifauseinandersetzung dauert an

Warnstreik in Bad Oeynhausen
Seit etwa vier Wochen legen Mitarbeiter tageweise in einzelnen Kommunen und Fachbereichen die Arbeit nieder, um Druck im Tarifstreit zu machen. Bereits am Donnerstag war in vielen Städten NRWs das Personal von Gesundheitseinrichtungen zum Warnstreik aufgerufen. Laut Verdi schlossen sich mehr als 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 50 Einrichtungen an.
Mancherorts fielen deswegen Operationen aus, unter anderem in den Mühlenkreiskliniken. "Das Krankenhaus-Geschehen war heute doch merklich beeinflusst. Alle elektiven, das heißt planbaren Operationen wurden im Grunde abgesagt. Wir hatten am Ende hundert OPs, die wir nicht durchführen konnten", sagte Pressesprecher Christian Busse.
Die Beschäftigten dürften nicht zu Sündenböcken für fehl- oder unterfinanzierte Krankenhäuser gemacht werden, sagte Verdi-Bundeschef Frank Werneke laut örtlichem Gewerkschaftssprecher Andreas Daldrup in Bad Oeynhausen, etwa 800 Menschen seien zu der zentralen Kundgebung gekommen.
Großer Unmut bei den Streikenden
Es gebe großen Unmut unter den Beschäftigten von Rettungsdiensten, Kliniken und Pflege-Einrichtungen, dass die Arbeitgeber in den bisher zwei Tarifrunden kein konkretes Angebot vorgelegt und lediglich darauf verwiesen hätten, dass kein Geld da sei, schilderte Daldrup.
"Was die Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, in Psychiatrien und im Rettungsdienst jeden Tag für die Gesellschaft leisten, ist den meisten Menschen in diesem Land bewusst", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. Doch die Arbeitgeber ließen diese Anerkennung vermissen, fügte sie hinzu.
Arbeitgeber kritisieren die Warnstreiks
Die kommunalen Arbeitgeber kritisierten das Vorgehen. Warnstreiks, die Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung und Nahverkehr einschränkten oder gar lahmlegten, schadeten in erster Linie den Bürgern. Die dritte Verhandlungsrunde solle eine "tragfähige Lösung" bringen. Dafür brauche es aber Bewegung auf beiden Seiten.
Verdi fordert für Beschäftigte von Bund und Kommunen acht Prozent mehr Entgelt, aber mindestens 350 Euro mehr im Monat, höhere Zuschläge für die Arbeit zu belastenden und ungünstigen Zeiten sowie drei zusätzliche freie Tage. Die Arbeitgeber hatten das als nicht finanzierbar zurückgewiesen. Die dritte Tarifgesprächsrunde beginnt am 14. März in Potsdam.
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