
Hessen Wer ersetzt Knauff? Eintracht Frankfurt und die knifflige Rechts-Frage
Ansgar Knauff wird der Eintracht in Bremen ziemlich sicher fehlen. Was nach einer Kleinigkeit klingt, könnte doch einiges durcheinanderwirbeln im Frankfurter Konstrukt.
Ansgar Knauff wird gerne unterschätzt, auch reduziert auf die eine oder andere tatsächlich vorhandene Technikpanne. Ein Fehler. Nicht nur, dass der 23-Jährige gemeinsam mit Hugo Ekitiké der beste Vorlagengeber beim hessischen Bundesligisten ist, er zudem diverse Lücken mit seinen etlichen Sprints reißt, auch zählt er zu den Lieblingsschülern von Fußballlehrer Dino Toppmöller.
Gerade jetzt, da er wegen einer "leichten Knieverletzung" aussetzt und sehr sicher am Samstag (18.30 Uhr) im Bundesligaspiel bei Werder Bremen fehlen wird, zeigt sich, wie wichtig er für das Eintracht-Gebilde eigentlich ist. Die Alternativen für Knauff, der womöglich kommende Woche gegen Tottenham wieder eingesetzt werden kann, sind zwar vorhanden, jedoch nicht optimal. Ein Überblick:
Nnamdi Collins, der Fachfremde
Gegen Stuttgart (1:0) wurde Knauff von Nnamdi Collins ersetzt, einem gelernten Innenverteidiger, der auch auf rechts manierlich abwehren kann und es dort sogar in den Dunstkreis der Nationalmannschaft gebracht hat. Aber rechts vorne? "Das war das erste Mal für mich" und daher "ungewohnt", wie Collins zugab. Erst fremdelte der 21-Jährige eine ganze Weile, dann kam er besser rein, ehe er gleich drei dicke Dinger vergab. "Vielleicht sollte ich mal an meinem Schuss feilen", sagte er mit einem Lächeln. Das Spiel war schließlich trotzdem gewonnen.
Rechts vorne ist aber sicher nicht die Optimalposition des Junioren-Auswahlkickers. Trainer Toppmöller aber schätzt die Dynamik, die Collins mitbringt, der eher nicht für ein feines Dribbling steht, sondern sich lieber mit raumgreifenden Schritten und einer Menge Körpereinsatz vorbeiwuchtet an den Kontrahenten. Die Eintracht hat einige Kanten im Team, Collins ist wohl die Eckigste.
Womöglich könnte er auch zurück auf den Posten des Rechtsverteidigers rutschen und stattdessen Rasmus Kristensen vor sich agieren lassen. Ein Mann mit ähnlichen Vorzügen wie Collins, ist er doch ebenfalls defensiv stärker als offensiv, das Plus an Erfahrung in ungewohnten Rollen aber könnte für diese Arbeitsaufteilung sprechen.

Nnamdi Collins.
Fares Chaibi, der Formsuchende
Naheliegend wäre auch die Hereinahme von Fares Chaibi - zumindest mit Blick auf den Fares Chaibi der Saison 2023/24. Da nämlich hatte der Algerier ohnehin einen Stammplatz, spielte gewitzt und teilweise auch flott drauf los. Doch das ist eine Weile her, der 22-Jährige in dieser Runde eine echte Enttäuschung.
Zwar darf er immer mal wieder mittun, Erquickliches kommt dabei aber kaum herum. Hier mal ein guter Freistoß, da mal eine nette Flanke. Das war's. Auch würde er rechts draußen einen gänzlich anderen Spielstil reinbringen, als es Knauff oder Collins verkörpern. Schnörkel statt Sprints, Abhaken statt Attackieren.

Fares Chaibi verzweifelt gegen Union.
Junior Dina Ebimbe, der Aussortierte
Noch mieser als für Chaibi läuft die Saison für Junior Dina Ebimbe. Der Franzose, zweimal schon auf dem Sprung zu einem anderen Club, spielte zuletzt gar keine Rolle mehr. Wobei: Beim Flop-Spiel gegen Union Berlin kam er erstaunlicherweise doch zum Einsatz, Akzente aber vermochte er nicht zu setzen.
Dabei wäre er grundsätzlich einer, der perfekt als Knauff-Ersatz passen würde. Schnell, dynamisch, zielstrebig - an guten Tagen, wohlgemerkt. Davon jedoch gab es zuletzt keine, fast ausschließlich schlechte. Wird Toppmöller ihn also tatsächlich von der Tribüne direkt in die Startelf beordern? Dafür spricht rein gar nichts. Am Dienstag trainierte Dina Ebimbe - wie so oft - nicht mit dem Team, sondern nur individuell.

Junior Dina Ebimbe.
Jean-Matteo Bahoya, der Linke
Zwar spielte Jean-Matteo Bahoya gegen Stuttgart nicht ganz so auffällig wie in den Partien zuvor, er traute sich vergleichsweise wenig zu. Einen festen Platz im Team aber hat sich der junge Franzose mittlerweile zu Recht ersprintet. Gemeinsam mit Nathaniel Brown bildet er auf links ein für den Gegner schwer zu packendes Duo. Wuselig, schnell, auch giftig in den Zweikämpfen. Brown und Bahoya piesacken ihre Kontrahenten dauerhaft, weil abwechselnd. Und manchmal sogar gemeinsam.
Bahoya freilich könnte auch die Seite wechseln, ein Einsatz als Rechtsaußen wäre dem Linksfuß zuzutrauen, was jedoch gleichbedeutend wäre mit einer Leerstelle auf seiner aktuellen Position. Toppmöller müsste rotieren, etwa Tuta von der Sechs in die Abwehr zurückziehen, Arthur Theate zum linken Verteidiger und Brown zum Linksaußen machen. Oder er bringt Niels Nkounkou, zuletzt ebenfalls Tribünenhocker, in die Mannschaft. Ganz schön viele Veränderungen bei nur einem Ausfall.

Jean-Matteo Bahoya bejubelt sein Tor gegen Ajax
Ein Systemwechsel
Zu guter Letzt wäre auch eine komplette Systemänderungen möglich: Weg von der Viererabwehrkette und der Doppelbesetzung der Außenbahnen, hin zur Dreierverteidigung samt einzelnen Schienenspielern auf den Seiten. So könnte Brown links die Linie beackern, Collins (oder Kristensen) auf rechts hin- und herwetzen. Ein Problem dabei: Das zuletzt perfekt harmonierende Duo im offensiven Zentrum, Spielmacher Mario Götze und Torjäger Hugo Ekitiké bekäme zuwachs und müsste sich mit einem dritten Mann in diesem Bereich wieder neu finden.
Lange Zeit hatte Coach Toppmöller diese beschriebene Systematik bevorzugt, seit dem Hinspielerfolg im Europapokal bei Ajax Amsterdam aber die Taktik mit einer Vierkettet gesetzt. Die Bilanz seitdem: vier Siege, nur eine Niederlage. Klingt ganz so, als wäre eine Wiederholung sinnvoll.