Kriminalpolizistin sitzt in einem Büro vor einem Auswertungscomputer (Archiv)

Bayern Großes Pädophilen-Netzwerk ausgehoben – 79 Festnahmen

Stand: 02.04.2025 15:13 Uhr

Bayerischen Ermittlungsbehörden ist ein umfassender Schlag gegen Kinderpornografie gelungen. Weltweit konnten knapp 1.400 Verdächtige identifiziert werden. Dazu wurden Kryptowährungsströme nachverfolgt. Teilweise wurden auch Kinder in Obhut genommen.

Von BR24 Redaktion

Nach mehrjährigen Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamts (BLKA) und des Zentrums zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet (ZKI) bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg ist es den Behörden gelungen, eine Vielzahl von Nutzern einer Streamingplattform im Darknet, auf der der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gezeigt wird, zu identifizieren.

Behörden zerschlagen Videoplattform für Missbrauchsdarstellungen mit Kindern

Die bayerischen Ermittlungen gegen die Darknet-Plattform "KidFlix" laufen bereits seit 2022. Nach Registrierung und Bezahlung eines Zugangs mit Kryptowährungen standen den internationalen Usern mehr als 91.000 Videos in hoher Bildqualität mit einer Gesamtlaufzeit von 6.288 Stunden zum Download und zum Streamen zur Verfügung. Im Schnitt wurden rund 3,5 Videos pro Stunde neu auf die Plattform geladen, die teilweise den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen.

Weltweit knapp 1.400 Verdächtige identifiziert

Mit Unterstützung aus den Niederlanden und der Schweiz ermitteln die bayerischen Behörden gegen die Betreiber sowie rund 190.000 Nutzer der Plattform, die im Zeitraum von April 2022 bis jetzt registriert waren. Weltweit konnten bislang 1.393 Tatverdächtige trotz Versuchen zur Verschleierung identifiziert werden. Insgesamt waren auf der Plattform fast zwei Millionen Nutzer angemeldet. Laut Europol wurden weltweit 79 Menschen festgenommen.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand dabei vor allem die Nachverfolgung der Bezahlwege über Kryptowährungen, wobei es den Spezialisten des BLKA in mehreren Fällen gelang, diese trotz der Verwendung von sogenannten Mixing-Diensten und von besonders auf Anonymität ausgelegten Kryptowährungen zurückzuverfolgen.

Mehrere Kinder in Schutz genommen – auch in Bayern

Auch beim Identifizieren von missbrauchten Kindern hatten die Ermittler Erfolg: So konnten unter anderem Kinder in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden waren, in Schutz genommen werden.

Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums Mittelfranken durchsuchten bereits am 24. Januar 2025 die Wohnung eines 30-jährigen Mannes. Nachdem bekannt geworden war, dass er sich kinderpornografisches Material auf der Plattform angesehen haben soll, wurde sein familiäres Umfeld überprüft. Im gemeinsamen Haushalt lebten zwei minderjährige Kinder. Nach der Durchsuchung und Sicherstellung von Beweismitteln wurden die Kinder unmittelbar in die Obhut des zuständigen Jugendamts übergeben, sie befinden sich jetzt nicht mehr in der Familie.

Insgesamt zwölf Verdächtige mit Wohnsitz in Bayern

In Bayern wurden im Rahmen der Ermittlungen am 10. März 2025 neun Durchsuchungen bei neun Tatverdächtigen durchgeführt. Diese fanden in Augsburg, München, Nürnberg und in den Landkreisen Landsberg am Lech, Regen, Rosenheim, Oberallgäu, und Neumarkt in der Oberpfalz statt. Insgesamt hatten zwölf Tatverdächtige ihren Wohnsitz in Bayern.

In Deutschland fanden in 13 Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen) 96 Durchsuchungen statt. Insgesamt wird hier gegen 103 Tatverdächtige ermittelt.

Vom 10. bis 23. März 2025 beteiligten sich insgesamt 38 Staaten an Aktionen zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Internet. Die Ermittlungen dauern an, da insbesondere die Betreiber der Plattform bislang nicht identifiziert werden konnten.

Herrmann lobt "erfolgreiche Ermittlungen"

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lobte die "erfolgreichen Ermittlungen". "Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist eine schreckliche Verletzung der Rechte und der Unschuld unserer Kinder", sagte er. Mit der internationalen Durchsuchungsaktion sei ein "wichtiges Zeichen" gegen Kinderpornografie gesendet worden. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) betonte, dass sich Täter im Netz "niemals sicher fühlen dürfen".

Der Vizepräsident des bayerischen LKA, Guido Limmer, sprach von einem "einem großen Schlag" gegen Kinderpornografie. "Es geht um vorstellbare und leider auch unvorstellbare schreckliche Missbrauchshandlungen an Kindern, an Kleinstkindern, ja sogar an Babys", so Limmer.

Mit Informationen von AFP

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Quelle: Nachrichten 02.04.2025 - 14:00 Uhr