Prügelattacke auf Obdachlosen: Angeklagte am Landgericht Aschaffenburg

Bayern Brutale Prügelattacke auf Obdachlosen: Angeklagte gestehen Tat

Stand: 02.04.2025 17:04 Uhr

Diese Tat sorgte im Sommer 2024 für Entsetzen: Ein Obdachloser wird in Aschaffenburg brutal angegriffen und verprügelt. Ihre Tat filmen die zwei jungen Männer mit ihren Handys. Zum Prozessauftakt haben die Angeklagten jetzt gestanden.

Von Barbara Ecke, BR24 Redaktion

Am Morgen des 11. August 2024 kommt es in Aschaffenburg zu einem brutalen Angriff auf einen Obdachlosen. Jetzt, etwa acht Monate später, kommt der Fall vor Gericht. Zwei junge Männer, 20 und 22 Jahre alt, sind angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gefährliche Körperverletzung und Geiselnahme vor. Über ihre Anwälte haben die jungen Männer Erklärungen verlesen lassen und die Tat gestanden.

Prügelattacke mit Handys gefilmt

Beide betonten dabei, dass die Tat ihnen Leid tue. Über eine halbe Stunde hatten die beiden jungen Männer auf den 48-jährigen Mann ohne festen Wohnsitz eingeschlagen, mit Fäusten, einem tragbaren Lautsprecher und einem Ast. Sie malträtierten ihn mit Tritten, drückten eine Zigarette auf ihm aus, beleidigten und demütigten ihn. Rund 23 Minuten des Martyriums sind auf drei verschiedenen Handy-Videos der beiden Angeklagten zu sehen, die beim Prozessauftakt im Gerichtssaal vorgespielt wurden.

Angeklagte und Opfer liefen wohl zusammen vom Bahnhof zum Main

Am frühen Morgen des 11. August 2024 begegneten sich die Angeklagten und das spätere Opfer am Aschaffenburger Hauptbahnhof. Es entstand ein Gespräch, in dem die beiden Angeklagten vorschlugen, gemeinsam ans Mainufer zu gehen und zusammen zu "chillen". Zu dritt machten sich die Männer auf den Weg zum nahegelegenen Schlosspark oberhalb des Mains, wo sich zu dieser Zeit keine Passanten aufhielten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten bereits am Bahnhof vorhatten, den Mann zusammenzuschlagen und ihn deswegen in den Schlosspark einluden. Das bestritten die beiden vor Gericht.

Polizei findet andere gewaltverherrlichende Videos auf Handy

Schon kurz nach der Tat bestätigte die Polizei, dass die jungen Männer bereits polizeibekannt waren. Ein Polizeibeamter hat nun vor Gericht ausgesagt, dass bei der Spurensicherung auf dem Smartphone des 20 Jahre alten Angeklagten mehrere gewaltverherrlichende Videos und Pornos gefunden wurden. Das sehe er als eine Bestätigung für dessen Gewaltaffinität. Der 20-Jährige habe auch eine Kurznachricht an einen anderen Freund gesendet, dass sie "jetzt gerade jemanden knüppeln würden".

Beide Männer waren zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert. Der 20-Jährige hatte zusätzlich Amphetamine genommen, beziehungsweise Medikamente, in denen dieser Wirkstoff enthalten ist. Bei ihm wurden zudem frühkindlicher Autismus und ADHS diagnostiziert. Deshalb gelten die beiden Angeklagten als vermindert schuldfähig.

Obdachloser lebensgefährlich verletzt – Jogger ruft Polizei

Das Opfer erlitt damals lebensgefährliche Verletzungen, vor allem im Bereich des Kopfes. Er lag 15 Tage auf der Intensivstation. Die beiden Angeklagten ließen erst von dem Mann ab, als die Polizei eintraf und sie mit gezogener Dienstwaffe dazu aufforderte. Ein Jogger, der in diesem Bereich unterwegs war, hatte Stimmen gehört und die Beamten verständigt. Im Prozess ist am 11. April ein weiterer Verhandlungstag angesetzt, am dem dann auch das Urteil erwartet wird.

Prozessauftakt in Aschaffenburg

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Quelle: Regionalnachrichten aus Mainfranken 02.04.2025 - 13:30 Uhr