Baklava, Börek, Brezel: Nach dem Festgebet wurde geschlemmt.

Baden-Württemberg Erst fasten, jetzt wieder naschen: Tausende feiern Ramadan-Ende in Freiburg

Stand: 30.03.2025 13:51 Uhr

Brezeln neben Börek: Das Fasten hat ein Ende - zumindest für Muslime. Mit einem Festgebet und vielen Snacks wurde das auf der Messe zelebriert. Mehr als 9.000 Gläubige waren dabei.

Während Freiburg am Sonntagmorgen noch im Dornröschenschlaf liegt, herrscht auf der Messe schon Hochbetrieb. Aus allen Himmelsrichtungen strömen Menschen in die großen Messehallen. Viele haben Tupperdosen und Tabletts unterm Arm - mit Kuchen und Blätterteig-Leckereien. Es sind Tausende, die das Ende des Ramadans feiern wollen. Nach dem Festgebet wird geschlemmt.

Mehr Muslime gekommen als erwartet

Ordner in gelben Westen, bunte Luftballons und eine große Bühne: Das Festgebet sollte um 7:45 Uhr beginnen, doch auch nach 8 Uhr eilen noch viele zur Freiburger Messe. Viele Familien haben sich herausgeputzt. Die Herren tragen teils Anzüge, viele Damen lange, festliche Gewänder, sogenannte Abayas.

Die Männer gehen in Halle 2, Frauen und Kinder in Halle 3. Auf dem nackten Betonboden breiten sie ihre rechteckigen, samaragdgrünen, senfgelben und rostbraunen Gebetsteppiche aus. Die Halle füllt sich zusehends. Mehr als 9.000 Menschen sind gekommen, so viele wie nie zuvor - im vergangenen Jahr waren es rund 1.000 weniger. Sie sind in Freiburg und der Region zuhause, aber auch in Karlsruhe oder Basel, erklärt Veranstalter Hüseyin Özbek von der Freiburger Ditib Mevlana Moschee. Kurzerhand öffnen die Organisatoren noch eine dritte Halle, damit alle Platz finden.

Vier Freiburger Moscheen arbeiten Hand in Hand

Seit 2019 feiern Muslime aus der Region das Ende des Fastens in den Freiburger Messehallen. Das dreitägige "Fest des Fastenbrechens" gehört neben dem Opferfest während der Pilgerfahrt nach Mekka zu den Höhepunkten des islamischen Jahres.

Vier Gemeinden organisieren die Großveranstaltung in Freiburg: das Islamische Zentrum Freiburg, die Ditib Mevlana Moschee, der Bildungs- und Begegnungsverein Freiburg e.V. und die Moschee Džemat. Türken, Araber, Bosnier - Socken an Socken auf den Gebetsteppichen.

Hier spielt Nationalität, weiß oder schwarz, keine Rolle. Unsere Religion bindet uns zusammen. Hüseyin Özbek, Vorsitzender der Ditib Mevlana Moschee Freiburg

Hüseyin Özbek, einer der Hauptorganisatoren, berichtet, dass er in der Nacht von Samstag auf Sonntag nur eine halbe Stunde geschlafen habe. Vier Monate Vorbereitung liegen hinter ihm. Özbek freut sich über den großen Zuspruch und die Unterstützung der Stadt Freiburg. Freiburgs Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) und Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) folgten der Einladung. "Die beiden kommen fast jedes Jahr. Das zeigt uns die Stärke der Stadt und, dass sie hinter uns steht", sagt Organisator Özbek.

Warum verschiebt sich Ramadan jedes Jahr?
Ulrich Pick aus der SWR Redaktion Religion und Welt erklärt: "Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders. Der islamische Kalender richtet sich nach dem Lauf des Mondes. Aber der Gregorianische Kalender richtet sich nach der Sonne." Der Mondkalender sei um elf Tage kürzer als der Sonnenkalender. Deswegen verschiebe sich Ramadan jedes Jahr und finde im nächsten Jahr früher statt als derzeit.

Freiburgs OB: Zeichen für Mitmenschlichkeit setzen

"Salam aleikum" - mit diesen Worten, die "Frieden sei mit dir" bedeuten, begrüßt Martin Horn die Gläubigen. Jedes Jahr beeindrucke ihn die Herzlichkeit aufs Neue, sagt der 40-Jährige in seiner kurzen Rede. "Angesichts internationaler Kriege und Krisen ist es umso wichtiger, dass Sie hier vor Ort Mitmenschlichkeit zeigen, und das tun Sie", fügt Horn hinzu. Er lobte die Organisatoren für ihr "wahnsinniges Engagement": "Danke, dass Sie das Miteinander und nicht das Gegeneinander stärken. Dafür sage ich Shukran." Der Rathauschef betonte weiter: In Freiburg lebten Menschen aus über 172 Nationen, daher sei es wichtig, ein Zeichen des interreligiösen Zusammenhalts zu setzen.

Nach dem Festgebet wollten viele Kinder und Jugendliche ein Selfie mit Freiburgs Oberbürgermeister machen. Die älteren Semester bevorzugten einen Händedruck.

Nach dem Festgebet wollten viele Kinder und Jugendliche ein Selfie mit Freiburgs Oberbürgermeister machen. Die älteren Semester bevorzugten einen Händedruck.

Der Ramadam als Fastenmonat, als Monat des Friedens - das ist ein starkes Zeichen, in einer Zeit, in der die Mitmenschlichkeit leider nicht so groß ist. Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos)

30 Tage Fasten: Verzicht auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex

Während des muslimischen Fastenmonats verzichten gläubige Muslime zwischen Sonnenaufgang und -untergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Das Fasten gehört zu den fünf Grundpflichten für Muslime. Es soll verdeutlichen, dass die Hingabe an Gott einen höheren Wert als die menschlichen Bedürfnisse hat. Der Ramadan ist auch der Monat der Nächstenliebe, der Versöhnung und der guten Taten.

Saudi-Arabien, das mit Mekka und Medina die zwei heiligsten Stätten des Islam beheimatet, hatte diesen Sonntag zum Beginn von Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens, erklärt. Dem schlossen sich islamische Autoritäten in Katar, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Bahrain, Jemen und dem Libanon an. Einige andere Länder in der Region haben den Beginn jedoch auf Montag festgelegt, darunter Ägypten, Oman, Syrien und Jordanien. Hintergrund ist, dass Beginn und Ende durch die Sichtung des Neumondes bestimmt werden.

Weltweit gibt es Schätzungen zufolge rund 1,9 Milliarden Muslime. Die meisten davon leben in Indonesien, Indien, Pakistan und Bangladesch.

Sendung am Mo., 31.3.2025 7:30 Uhr, SWR4 BW Studio Südbaden

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