Eine Karte wird an den Bezahl-Terminal an der Kasse eines Supermarktes gehalten

Pläne von SPD und CDU Warum "Cash only" bald Geschichte sein könnte

Stand: 05.04.2025 16:46 Uhr

Union und SPD wollen bargeldloses Bezahlen künftig überall möglich machen. Dabei geht es den Parteien nicht nur um einen besseren Kundenservice.

Von Oliver Neuroth, ARD-Hauptstadtstudio

In vielen europäischen Ländern ist es schon lange Normalität: Wer im Restaurant, Kiosk oder in einem kleinen Geschäft bezahlen möchte, zückt die Bankkarte oder das Handy anstatt des Portemonnaies. In Deutschland ist das vergleichsweise selten möglich. Viele Gewerbetreibende weigern sich, elektronische Zahlungen anzubieten, weil sie dafür zusätzliche Gebühren bei ihrer Bank zahlen müssen. Schilder mit Schriftzügen wie "Keine Kartenzahlung" oder "Cash only" hängen daher in etlichen Geschäften.

Damit könnte bald Schluss sein. In den Koalitionsverhandlungen hat sich die Arbeitsgruppe Haushalt, Steuern, Finanzen darauf geeinigt, dass Kunden künftig die Wahl haben müssen: mit Bargeld zu zahlen oder elektronisch. Mindestens eine bargeldlose Option soll verfügbar sein.

Kundenservice und Kampf gegen Steuerbetrug

Der SPD-Finanzpolitiker Michael Schrodi spricht von einem Service für die Kundinnen und Kunden und gleichzeitig vom Kampf gegen Steuerbetrug, wenn Rechnungen elektronisch erfasst werden. Registrierkassen sollen Pflicht werden. Schrodi verweist im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio darauf, dass Union und SPD dem Gastgewerbe an anderer Stelle entgegenkommen wollen.

"Wenn wir die Mehrwertsteuer in der Gastro senken und den Unternehmen mehr Luft zum Atmen geben", sagt Schrodi, sei es eine gute Mischung, "auch mehr zu tun in bargeldintensiven Bereichen in der Steuerbetrugsbekämpfung". Schrodi kündigt an, dass die bargeldlose Option schrittweise verpflichtend werden soll, also wahrscheinlich nicht auf einen Schlag für alle Betriebe kommt.

Auch haben sich Union und SPD bisher nicht darauf verständigt, ob weiterhin ein Mindestbetrag für Kartenzahlung möglich bleiben soll. Bisher erlauben viele Geschäfte eine elektronische Zahlung erst ab einer bestimmten Kaufsumme. Ob Kunden also künftig auch nur eine Packung Kaugummi im Kiosk mit Karte zahlen können, ist noch unklar.

Bargeldoption soll bleiben

Wer in Geschäften oder im Restaurant lieber weiterhin mit Scheinen und Münzen zahlen möchte, soll das auch in Zukunft tun können. Finanzpolitiker Schrodi spricht von einem Bekenntnis zum Bargeld und zum elektronischen Bezahlen. Gerade aus den Unionsparteien kamen hin und wieder kritische Stimmen, die davor warnten, das Bargeld zurückzudrängen.

Auch die Gastro-Branche setzt eher auf Cash: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA warnt vor zusätzlichen Belastungen für die Betriebe, wenn elektronische Zahlungen eine verpflichtende Option wird. Zustimmung kommt dagegen von der Deutschen Steuergewerkschaft: Sie rechnet mit höheren Steuereinnahmen, wenn die Menschen mehr mit Karte zahlen. Nach Schätzungen entgehen dem Staat in bargeldintensiven Branchen durch Steuerhinterziehung zehn bis 15 Milliarden Euro an Umsatz- und Gewinnsteuern pro Jahr.

In einer früheren Version des Textes wurde der SPD-Politiker Michael Schrodi als Sebastian Schrodi bezeichnet. Dies wurde korrigiert.

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Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. April 2025 um 17:00 Uhr.