KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Kritik an israelischer Regierung Streit über Gedenkfeier in Buchenwald

Stand: 04.04.2025 08:49 Uhr

Wer darf auf der Gedenkfeier zur Befreiung des ehemaligen KZ Buchenwald sprechen? Darüber gibt es Streit zwischen der israelischen Regierung und dem Gedenkstätten-Leiter - dieser erhebt nun schwere Vorwürfe.

Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Jens-Christian Wagner, hat die Einflussnahme der israelischen Regierung auf die zentrale Gedenkfeier in Weimar kritisiert. Es werde Geschichtspolitik auf dem Rücken der Opfer betrieben, sagte er im rbb

Streit über Rede von Philosoph Boehm

Hintergrund ist die ursprünglich geplante Rede des deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm bei dem am Sonntag in Weimar geplanten Gedenken zum 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora. Zu der Gedenkfeier werden etwa zehn Überlebende des NS-Terrors erwartet. 

Die Einladung an Boehm wurde jedoch zurückgezogen - aufgrund eines sich anbahnenden Konflikts mit der israelischen Regierung. Die Gedenkstätte habe dem Druck nachgegeben, um zu verhindern, dass Überlebende in den Streit hineingezogen werden. Boehm gilt als Kritiker der israelischen Regierung. Über seinen Verlag ließ er mitteilen, dass er sich nicht zu der Sache äußern werde.

In dem rbb-Interview erhob jedoch der Gedenkstätten-Leiter schwere Vorwürfe gegen die israelische Regierung: "Das habe ich noch nie erlebt und ehrlich gesagt, das möchte ich auch nie wieder erleben, tatsächlich gedrängt zu werden. Einem Enkel einer Holocaust-Überlebenden das Wort zu versagen, das ist wirklich das Schlimmste, was ich in 25 Jahren Gedenkstättenarbeit erlebt habe."

Israelische Botschaft wirft Boehm Holocaust-Relativierung vor

Ein Sprecher der israelischen Botschaft sagte dem Magazin Spiegel: "Die Entscheidung, mit Omri Boehm einen Mann einzuladen, der Yad Vashem als Instrument politischer Manipulation bezeichnet, den Holocaust relativiert und sogar mit der Nakba verglichen hat, ist nicht nur empörend, sondern eine eklatante Beleidigung des Gedenkens an die Opfer."

Der in New York lehrende Boehm hat unter seinen Vorfahren selbst Holocaustüberlebende. Seine Thesen und Bücher, wie etwa "Israel - eine Utopie", werden weltweit wahrgenommen, polarisieren aber auch. Der Philosoph vertritt eine kritische Haltung zur Regierung seiner Heimat Israel und zur dortigen Gedenkkultur.

Boehm wurde 2024 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für sein Buch "Radikaler Universalismus" ausgezeichnet. In seiner Dankesrede forderte er im Namen der deutsch-israelischen Freundschaft auch harte Kritik aus Deutschland zum Nahost-Konflikt. Ihm zufolge gibt es Fehler auf allen Seiten.

Die beiden Konzentrationslager auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Thüringen waren im April 1945 von der US-Armee befreit worden. Die Zahl der Todesopfer in Buchenwald schätzt die Gedenkstiftung auf 56.000, die in Mittelbau-Dora auf 20.000. An beiden Orten erinnern heute Gedenkstätten an die Opfer.

Am zentralen Gedenkakt am 6. April in Weimar sollen unter anderem Ministerpräsident Mario Voigt und der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff teilnehmen.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2025 um 08:00 Uhr.