Menschen in Myanmar stehen nach dem schweren Erdbeben zwischen Trümmern.
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Myanmar und Thailand Zahlreiche Fakes nach Erdbeben im Umlauf

Stand: 02.04.2025 16:44 Uhr

Nach dem verheerenden Erdbeben mit Tausenden Toten sind die sozialen Netzwerken voll mit Bildern und Videos, die vermeintlich die Folgen der Katastrophe zeigen. Allerdings sind viele davon KI-generiert oder schon älter.

Von Pascal Siggelkow, ARD-faktenfinder

Ein Motorradfahrer auf einer schwankenden Brücke, eine komplett zerstörte Stadt mit einem riesigen Riss in der Straße, eine eingestürzte Autobahnbrücke über einen reißenden Fluss: All diese Videos in den sozialen Netzwerken sollen angeblich das Ausmaß der Zerstörung nach dem verheerenden Erdbeben zeigen, das vor allem Myanmar und Thailand getroffen hat. Doch keines dieser Videos wurde wirklich in einem der beiden Länder aufgenommen.

Alte Bilder und Videos verbreitet

Wie so oft nach Naturkatastrophen sind auch dieses Mal etliche Bilder und Videos verbreitet worden, die nicht das zeigen, was im Netz behauptet wird. Ein Foto, was in diversen sozialen Netzwerken geteilt wurde, zeigt eine Straße, die längs in der Mitte aufgerissen ist und weiter hinten einen großen Schutthaufen an Asphaltbrocken aufweist. Gepostet wurde das Bild unter anderem mit den Worten, dass es die Stadt Taunggyi in Myanmar zeige. Doch das ist falsch, wie die Nachrichtenagentur AFP schreibt.

Mit einer einfachen Bilderrückwärtssuche zeigt sich, dass das Bild bereits öfter nach Erdbeben verbreitet wurde. Das Original ist jedoch schon 14 Jahre alt und gibt es bei einer Bildagentur zu kaufen. Demzufolge wurde das Foto am 20. März 2011 in Christchurch, Neuseeland, aufgenommen. Es entstand also wenige Wochen nach dem Erdbeben dort im Februar, das mit der Stärke 6,3 bis heute als das stärkste Erdbeben in Neuseeland gilt.

Video mit Motorradfahrer stammt aus Taiwan

Auch ein weiteres Video, das nach dem Erdbeben oft geteilt wurde, wurde in Wahrheit weder in Myanmar noch in Thailand aufgenommen. Es zeigt einen Motorradfahrer, der auf eine rote Brücke zufährt. Das Video wurde vermutlich von einer Dashcam aus einem dahinter fahrenden Auto gefilmt. Auf der Brücke gerät der Motorradfahrer durch das Beben plötzlich ins Wanken und bleibt stehen. Es ist zu sehen, wie die Brücke stark wackelt, hinzu kommen laute Geräusche. Nach einigen Sekunden entspannt sich die Situation wieder und der Motorradfahrer fährt weiter.

Auch hier zeigt eine Rückwärtssuche, dass das Video bereits vor dem Erdbeben in Myanmar und Thailand im Netz kursierte. In einem Instagrampost von dem Video heißt es, dass es am 3. April in Taiwan aufgenommen worden sei. Weiter heißt es: "Ein erschreckender Moment, aufgenommen mit der Dashcam, als ein Erdbeben der Stärke 7,4 eine Brücke in Taiwan erschüttert. Ein Motorradfahrer bleibt erschrocken stehen, als der Boden unter ihm heftig schwankt. Dies war das stärkste Erdbeben in Taiwan seit 25 Jahren, das Erdrutsche, Infrastrukturschäden und Tsunamiwarnungen auslöste."

Wie Recherchen von "India Today" zeigen, sind diese Angaben korrekt. So lässt sich unter anderem die rote Brücke mit Kartendiensten lokalisieren. Es handelt sich dabei um die Meilun River Bridge in Hualien, Taiwan. Zudem gibt es Nachrichtenberichte über das Erdbeben, die die Beschädigung dieser Brücke thematisieren.

Screenshot der Plattform X mit Fake-News-Hinweis

KI-generierte Videos sollen Zerstörung zeigen

Doch nicht nur wurden Bilder und Videos aus einem anderen Kontext fälschlicherweise verbreitet nach dem Erdbeben in Myanmar und Thailand. Im Netz tauchten auch mehrere Clips auf, die mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden - ohne einen Hinweis darauf.

So zeigt ein Video ein halb zerstörtes Hochhaus, dass sich sehr stark auf eine Seite neigt. Auf der Straße sind Feuerwehrautos zu sehen. Allerdings gibt es keine weiteren Aufnahmen von einem Hochhaus, das genauso aussieht und so stark auf eine Seite neigt. Zudem bewegen sich die Einsatzkräfte in dem Video sehr unnatürlich, einige scheinen stillzustehen. Ein Mann wiederum läuft einfach durch ein Fahrzeug hindurch.

Bei anderen KI-generierten Videos sind die Fehler jedoch nicht so einfach zu erkennen. Ein Video soll beispielsweise in Myanmar aufgenommen worden sein. Im Hintergrund einer in Trümmer liegenden Stadt sind mehrere markante Tempel zu erkennen, wie es sie auch in Myanmar gibt. Allerdings lässt sich mit einer Bilderrückwärtssuche das Originalvideo finden, in dem am Bildrand ein Wasserzeichen für einen KI-Generator zu sehen ist. Dieses wurde jedoch von einigen Nutzern bewusst herausgeschnitten, in dem der Bildschirmausschnitt verkleinert wurde.

Auch wenn die Menschen im Video recht klein sind, sind auch hier deren Bewegungen zum Teil sehr unnatürlich. Zudem passt die Anordnung der Tempel so mit keiner Stadt in Myanmar zusammen.

Menschen bewegen sich nicht oder unnatürlich

Auch weitere Videos, die angeblich in Myanmar aufgenommen worden sein sollen, sind in Wahrheit KI-generiert. Auf einem Video ist zum Beispiel eine eingestürzte Autobahnbrücke zu sehen. Allerdings sind auch hier mehrere Anzeichen zu erkennen, dass es sich um ein manipuliertes Video handelt. Die meisten Personen stehen einfach still. Zwar gibt es auch Berichte und Fotos von eingestürzten Brücken in Myanmar, allerdings ähnelt davon keine dieser im Video. In einem weiteren KI-generierten Video geht eine Person über schlammiges Wasser, ohne dass dabei Spritzer entstehen.

Auf einem Video sind mehrere KI-generierte Kurzvideos zusammengeschnitten, die alle angeblich die Schäden in Myanmar zeigen sollen. Zu sehen sind hier unter anderem komplett zerstörte Städte mit einem riesigen Riss auf der Straße. Allerdings stimmt auch hier zum einen das Bild von der Stadt mit keinen Aufnahmen überein, die es sonst von den Folgen des Erdbebens gibt. Zudem stehen die Personen im Video auffällig oft still.

Screenshot der Plattform X mit KI-Hinweis

Knapp 3.000 Tote bislang gemeldet

Bei dem verheerenden Erdbeben starben allein in Myanmar nach Angaben der regierenden Militärjunta mindestens 2.886 Menschen. Mehr als 4.600 Menschen wurden demnach verletzt, rund 370 werden noch vermisst. In Thailands Hauptstadt Bangkok starben nach Angaben der thailändischen Behörden mindestens 22 Menschen.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. April 2025 um 17:29 Uhr.