Ein Bus fährt neben einer "Tempo 30"- Straßenmarkierung.

Ein Jahr Tempo 30 Bologna bremst

Stand: 03.04.2025 12:29 Uhr

Vor allem berufstätige Autofahrer sind genervt vom Tempolimit in Bologna. Doch die erste Bilanz ist beeindruckend: Starben im Jahr vor der Einführung noch sechs Fußgänger, gab es mit den neuen Regeln keinen einzigen Toten.

Von Tilmann Kleinjung, ARD Rom

Zu Fuß unterwegs in Bologna - das war bis vor kurzem gefährlich, lebensgefährlich. Im Jahr 2023, also im letzten Jahr vor der Einführung des Tempolimits, starben 21 Menschen bei Verkehrsunfällen, unter ihnen sechs Fußgänger.

Autospuren für kilometerlange Radwege geopfert

Sara Poluzzi fährt fast jede Strecke mit dem Rad. Die Unfallgefahr habe sie jeden Tag am eigenen Leib zu spüren bekommen. "Die Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden nicht eingehalten. Daher gab es eine Unfallhäufigkeit, die uns beunruhigt hat, und aus diesem Grund haben wir gehandelt und Unterschriften für eine Petition gesammelt, die dann vom Bürgermeister übernommen wurde."

Poluzzi hat dafür gekämpft, dass Bologna ab Januar 2024 als erste Großstadt in Italien Tempo 30 vorschreibt, auf nahezu allen Straßen. In Italien können das die Kommunen festlegen. Gleichzeitig hat die Stadt umgebaut: Dort wo Autos früher zwei Spuren hatten, gibt es heute nur noch eine - und dazu einen Fahrrad-Highway

"Diese Straße war früher sehr gefährlich, wenn man bedenkt, dass es keinen Platz für Fahrräder gab", sagt Poluzzi. Der neue Radweg, für den eine Autospur geopfert wurde, ist etwa vier Kilometer lang.

Kein einziger toter Fußgänger

Bologna zieht mehr als ein Jahr nach der Einführung des Tempolimits im Januar 2024 eine positive Bilanz: Die Luftqualität hat sich verbessert. Deutlich mehr Menschen nutzen den Öffentlichen Nahverkehr oder Fahrräder. Und am wichtigsten: In diesem ersten Jahr sei kein einziger Fußgänger bei einem Unfall getötet worden, sagt Marco Pollastri, Präsident des Observatoriums für Verkehrssicherheit.  

Auch die Zahl der Schwerverletzten sei gesunken, auch verletzte Fußgänger in den Notaufnahmen. "Daher können wir aus Sicht der Verkehrssicherheit mit einiger Überzeugung sagen, dass diese Maßnahme zu einem Rückgang der Todesfälle und Verletzten geführt hat", sagt Pollastri.

Taxifahrer wenig begeistert

Tempo 30 für alle und praktisch überall. Diese Maßnahme war umstritten. Vor allem bei denen, die so wie Taxifahrer Omar Iotti das Auto im Stadtverkehr beruflich nutzen. "Es ist ein bisschen übertrieben, besonders an bestimmten Punkten der Stadt. Wenn das Ziel darin besteht, schwere Unfälle vollständig zu vermeiden, dann sollte die Stadt Tempo 10 einführen", sagt der Taxifahrer.

Taxifahrer, Transportdienste, Handwerker haben sich vergeblich gegen das Tempolimit gewehrt. Nicht in der engen Altstadt. Vor allem auf breiten, mehrspurigen Straßen "wirst du mit Tempo 30 zum Verkehrshindernis", sagt Iotti.

Verstöße können sehr teuer werden

Auch das ist eine Bilanz des ersten Jahres: Nicht alle halten sich an das Tempolimit, obwohl die Strafen für Verstöße drakonisch sind. 220 bis 880 Euro werden fällig.

Sara Poluzzi fordert deshalb mehr Kontrollen, mehr Blitzer. Aber vor allem noch mehr Baumaßnahmen, die dazu führen, dass die Limits eingehalten werden: Bodenschwellen, erhöhte Zebrastreifen und Fahrbahnverengungen. "Diese Veränderung lässt sich gut mit physischen Barrieren steuern", argumentiert sie.

Auch wenn in Bologna noch nicht alles rund läuft: Poluzzis Bilanz nach einem Jahr Tempo 30 fällt positiv aus. Vor allem, weil sie sich auf dem Rad sehr viel sicherer fühlt.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 03. April 2025 um 08:37 Uhr.